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Eine langjährige, teure Freundschaft ging letztes Jahr zu Ende. Wenn ich gefragt werde warum, kann ich keine Antwort geben. Ich weiß es nicht, weiß es ehrlich nicht. Aus meiner Sicht handelte es sich um eine Verkettung von Missverständnissen resultierend aus Unausgesprochenem und zu spät Gesagtem. Nichts Greifbares.

Das Verrückte ist, dass ich bis jetzt nie traurig deswegen war. Oh, es hat mich sehr beschäftigt, ich habe mit Mühe, Herz und Offenheit versucht, es zu klären, zu retten und zu verstehen. Ich sprang mehr als einmal über meinen Schatten, machte mich verletzlich und wagte zu hoffen. Zum Glück. Nichts unternommen zu haben, hätte ich mir selbst nicht verzeihen können. Trotzdem blieben meine Bemühungen fruchtlos und die wahren Gründe ein Rätsel. Manchmal kann man Scherben wieder zusammensetzen und manchmal bleibt Zerbrochenes entzwei.

Es kam für mich aus dem Nichts, ich habe es nicht kommen sehen. Letztendlich glaube ich, dass wir uns weiterentwickelt haben, doch unsere Freundschaft durch unausgesprochene Ängste und Gefühle nicht die Chance bekam, mit uns zu wachsen. Du und ich gingen weiter, aber wir blieben stehen.

Menschlich bin ich enttäuscht, keine Frage. Du warst für mich wie eine Schwester, nicht vom selben Blut, doch vom selben Schlag. Wir gehörten zusammen. Ein Leben ohne dich wäre für mich nie denkbar gewesen, unvorstellbar und doch ist es jetzt so. Es gibt kein Zurück und trotzdem ist es so surreal, dass ich es ein Jahr später immer noch nicht recht begreifen kann. Vielleicht kann ich das nie.

Aber da ist keine Härte, keine Bitterkeit in mir. Wenn ich an unsere Freundschaft zurückdenke, sehe ich nicht das seltsame Ende, sondern die wunderbaren Zeiten, die wir unbestreitbar hatten.

Wir haben über 25 Jahre zusammen gelacht, getanzt, gespielt, einer Welt getrotzt, die uns nicht verstand, chaotische, denkwürdige Ausflüge gemacht, legendär gefeiert, zusammengehalten, Prägendes miteinander erlebt, hatten tonnenweise Insider, mehr Höhen als Tiefen, waren ein Viertel Jahrhundert ein Dreamteam, auf einer Wellenlänge, ein eingespieltes Duo, zwei Dumme ein Gedanke.

Wir waren die Rucksack-Connection, Pokémon-Trainer, Nachteulen, Versprechungskünstler, Leidensgenossen, verrückte Frühaufsteher, ausgelassene Zugfahrer, Drachen und vieles mehr. Unzählige Spaziergänge, Kinobesuche, Fotos, Cocktail- und Spieleabende, Jägermeisterflaschen, Facebook-Markierungen, Feste, Feuerwerke, Frühstücke, Schnapsideen, Geburtstage. Wir haben andere kommen und gehen sehen, waren stets unzertrennlich und loyal, ließen niemanden zwischen uns kommen. Grundverschieden und doch in vielem gleich. Wir waren großartig, schräg und einzigartig!

Niemals habe ich an uns gezweifelt, niemals hätte ich gedacht, dass wir irgendwann auseinandergehen.

Ich hätte diese Freundschaft herzlich gerne weitergeführt, wäre den Weg gerne weiter Seite an Seite mit dir gegangen. Mit negativen Gefühlen möchte ich unsere wunderschöne Lebensreise nicht beschmutzen, sie nicht schmälern. Dafür war das, was wir hatten, zu groß, zu bedeutend. Darum betrauere ich nicht das Ende, sondern feiere unsere Geschichte! Unsere unvergessliche Geschichte ohne Fortsetzung.

Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar für alles, was wir als Freunde und Weggefährten erlebt haben und halte diese besondere Verbindung in Ehren. Für immer.



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5 Kommentare zu „Bande lösen sich: Nachruf einer Freundschaft

  1. Oh lisa! Ich wünsche euch beiden, dass diese Freundschaft irgendwann doch noch weiter leben kann!

  2. Du hast so wunderbare Worte für das gefunden was, glaube ich, jeder schon einmal in seinem Leben mitgemacht hat. Manche Freundschaften fühlen sich in den gemeinsam verbrachten Zeiten so unendlich und nie enden an und dann plötzlich von ein auf den anderen Moment Geht jeder der beiden Freundschaftspade seinen eigenen Weg.

    Ich habe so etwas auch schon erleben müssen und ich schaue auf die Freundschaft, die sich leider gelöst hat, auch positiv, auch wenn es mal negative Zeiten gab, zurück. Da es, wie du auch in deinem Beitrag geschrieben hast, mehr Höhen als Tiefen gab.

    Es ist sehr schön zu lesen, dass du durch die Schreiberei einen Weg gefunden hast deine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck zu bringen und dass ist dir richtig gut gelungen. Ich hoffe, die Person die es betrifft, lies diesen Text und denkt auch nur mit positiven Gedanken an eure Freundschaft zurück.

  3. Auch ich habe schon Freunde gehen lassen müssen. Ab und an haben sich die wege wieder gekreuzt, selten wird es dann aber wieder wie es war. Das ist sehr traurig, jedoch passen Menschen nicht immer in unser Leben.
    Viele Grüße
    Wioleta

  4. Sowas ist mir ein paar Mal in meinem Leben passiert und es hinterlässt mich immer fassungslos. Manchmal denke ich, dass wohl jede Zeit ihre Zeit und ihre Menschen hat.
    Dennoch ist das natürlich ein Brett, wenn nach 25 Jahren eine Freundschaft zuende geht.
    LG
    Sabienes

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