Ich? Oh, bin ich schon dran? 

Hallo, ich bin Harry, ein blonder Goldendoodle-Rüde. Mein Geburtstag ist am 31.03.2019. Frauchen sagt, ich sei clever, neugierig, sensibel, frech und unglaublich charmant. Mit dem meisten hat sie natürlich recht, nur was sie mit „frech“ meint? 

Zu meinen Hobbies gehören unter anderem leidenschaftliches Begrüßen, wilde Zerrspiele und sämtliche Maßnahmen zur Leckerli-Beschaffung. 

Hauptberuflich bin ich Blindenführhund.

Fellnase mit Traumjob

Nach meiner ausgiebigen Sozialisierung und intensiven Ausbildung, gehe ich seit Dezember 2020 meiner Aufgabe als geprüfter Blindenführhund nach. Dazu bin ich vom beschaulichen Neuburg an der Donau ins hügelige Stuttgart gezogen und lebe nun bei meinem Frauchen Lisa. Über unsere Anfänge hat sie auch was erzählt, das kannst du hier lesen. 

Wir sind ein Gespann AUS FÜhrhund und Halterin

Ich zeige meinem Frauchen Wege, Baustellen und Hindernisse, weil sie nicht gut sehen kann. Wir gehen nebeneinander: ich mit stolz erhobener Rute etwas weiter vorne, sie hält sich am weißen Führgeschirr an meinem Rücken fest. Mit meiner Arbeit mache ich ihr Leben leichter, sicherer und selbstbestimmter.

Harry steht im weißen Führgeschirr auf einem asphaltierten Weg, rechts und links Wiesen und Büsche und blickt die sonnenbeschienene Straße entlang.

Was ich alles kann?

Wenn eine Straße kommt, bleibe ich am Bordstein stehen. Genauso zeige ich Treppen, Ampeln, Eingänge, Schalter und Briefkästen an. Da ich, obwohl ich sehr schlau und aufmerksam bin, keine Gedanken lesen kann, sagt Frauchen mir, was und wo sie hin will. Wenn sie „Bank“ sagt, suche ich einen Sitzplatz in der Bahn oder im Park. Wenn ich „Box“ höre, bringe ich sie zu einem Mülleimer. Da wirft sie meine Häufchen rein. Keine Ahnung, wieso sie die mitschleppt. Ist wohl so ein „Menschending“. 

Allem, was im Weg ist, weiche ich zuverlässig aus: E-Rollern, spielenden Kindern, Aufstellern, Außenbestuhlung, Pfosten und so weiter. Früher musste Lisa immer ganz angestrengt mit zusammengekniffenen Augen oder ihrem Langstock nach diesen Hindernissen suchen. Ich gehe elegant wedelnd drumherum, sodass sie manchmal gar nicht merkt, dass da etwas war. 

Höhenhindernisse erkenne ich übrigens auch, also wenn eine Schranke oder ein herabhängender Ast im Weg ist, führe ich Lisa daran vorbei oder bleibe stehen, wenn es kein Durchkommen gibt. Ich alleine wäre zwar klein genug, um darunter hindurch zu laufen, aber wir sind ja ein Team und ich passe auf mein Frauchen auf.

Mittlerweile habe ich noch viele weitere, nützliche Dinge gelernt, die nicht in meiner Grundausbildung vermittelt wurden – wie „Nach Hause“, „dm“ und „Apotheke“. Da kommen bestimmt noch ein paar praktische Sachen dazu – für einen lernwilligen Doodle wie mich eine willkommene Abwechslung. 

Ob ich auch mal Freizeit habe?

Klar, was denkst du denn? Ich bin weder ein „armer“ noch ein „Arbeitshund“! Also bei uns läuft das so ab: Zu Hause hab ich immer frei, da kennt Frauchen sich prima aus. Nur manchmal, wenn ihr was runterfällt und sie es gar nicht findet, zeige ich es ihr. Wir spielen sehr viel mit Tauen, Bällen und Intelligenzspielsachen.Außerdem werde ich gebürstet, gepflegt und geknuddelt. Coole Tricks wie „High Five“, „Rollen“ und „Drehen“ habe ich auch schon gelernt. Ich weiß zwar nicht, wozu das gut sein soll, aber wenn ich das mache, freuen sich die Menschen so sehr und ich bekomme öfter mal ein Leckerli. Ich würde sagen, so haben wir alle was davon. Und ein bisschen stolz bin ich schon auch, dass ich so schlau bin!

Wenn wir rausgehen, bin ich meist erstmal im Einsatz und bringe uns zu Haltestellen, Parks oder zum Waldrand. Von da an geht der Spaß los: Mehrmals in der Woche bin ich mit Frauchen im Wald oder in unserem großen Garten, wo ich frei rennen, schnüffeln und alles entdecken darf! Ich trage dabei eine orangene Kenndecke und ein leises Glöckchen, damit mein Mensch weiß, wo ich bin.

Lizzi kämpft mit ihrem Blindenführhund Harry, einem blonden Goldendoodle, um einen riesigen Stock im herbstlichen Sonnenschein.

Ganz oft kämpfen wir um Stöckchen oder düsen zusammen über Wiesen – da gibt es nämlich keine Hindernisse und meine Lisa braucht keine Angst zu haben, irgendwo dagegen zu laufen. Das ist herrlich! 

In meiner Freizeit darf ich selbstverständlich auch mit anderen Hunden spielen (nur nicht an der Leine!). Regelmäßig gehen wir zum Hundetreff, wo ich mit ganz vielen, verschiedenen Artgenossen sein darf. Das liebe ich, denn auch wenn die Menschen an sich schon toll sind, es ist einfach was anderes, wenn man Kumpels um sich hat, die dieselbe Sprache sprechen. Wir verabreden uns außerdem gerne mit anderen Mensch-Hunde-Teams für gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge.

Toll ist auch, dass mein Frauchen und ich total gerne wandern gehen. Wir waren schon öfter für mehrere Tage im Wanderurlaub und sind über Stock und Stein geklettert, an Flüssen entlang, über Brücken, durch Schluchten und bis rauf auf den Gipfel!

Lizzi in Wanderkleidung und Harry mit heraushängender Zunge befinden sich auf einer saftig-grünen Wiese, im Hintergrund blauer Himmel und hohe Berge.

Auch Goldendoodle brauchen Pausen

Langweilig wird’s mit meiner Lisa nie. Neben dem Alltäglichen sind wir häufig länger beruflich in Berlin, Freunde in ganz Deutschland besuchen, bei Workshops und Weiterbildungen oder auf Kurztrips. Darum bin ich froh, wenn ich auch einfach mal ein paar Stunden auf meinem flauschigen Hundebett oder unter dem Schreibtisch schlafen darf. Angeblich mache ich dabei ganz herzallerliebste Wuff-Geräusche. Das ist natürlich Quatsch. Wenn, dann sprechen wir ja wohl von stattlichem Bellen. 

Assistenzhund und Herzensbrecher

Als Blindenführhund aka. Hilfsmittel mit Seele darf ich (fast) überall mit hin. In Supermärkte, Arztpraxen, Hotels, zu Weiterbildungen und ins Yoga. Manchmal ist Frauchen sehr traurig und wütend, wenn irgendjemand mich nicht reinlassen möchte, obwohl das unser Recht ist! Ich versuche mit meinem süßesten Hundeblick zu helfen und bin ganz besonders brav. Zum Glück bin ich aber mittlerweile (fast) überall willkommen, auch wenn manchmal Leute von der Antidiskriminierungsstelle helfen mussten. 

Im Normalfall sind die Leute jedoch von mir so entzückt, dass ich gelegentlich sogar vergesse, dass ich ja eigentlich liegen bleiben und auf Frauchen warten soll anstatt mich streicheln zu lassen. Aber einem liebenswerten Fellnäschen wie mir kann man ja nicht böse sein. 

Auf einer roten Matte liegt der flauschig-gelockte, hellblonde Harry.

Meine Lisa ist ab und zu etwas genervt, wenn sie schon wieder auf den hübschen, tollen Hund an ihrer Seite (das bin ich, das bin ich!) angesprochen wird und wenn sie mal ohne mich irgendwo hin geht, wird sie gleich gefragt, weshalb ich nicht dabei sei. Richtig so, ich bin ohnehin der Meinung, dass ich immer und überall mit von der Partie sein sollte. 

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