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Es hat 32 Grad und Sonnenschein. Im luftigkurzen Sommerkleid mit hohen Keilsandalen komme ich schwungvoll vom Mittagspausenspaziergang zurück zum Büro, meine blonden Locken hüpfen verspielt bei jedem Schritt.

Als ich die Gittertüre zum Innenhof öffne, sagt einer von drei überdrehten Jugendlichen zu seinen Kumpels: „Vorsicht, die ist blind“ Sie machen etwas Platz und ein anderer antwortet: „aber total heiß!“ und sie säuseln mir irgendwas hinterher, als das Tor hinter mir zugeht und sie mir durch die Vergitterung nachschauen. „Schau mal, die läuft ganz normal“ und „geiles Teil“ höre ich und komme mir etwas wie ein Tier im Käfig vor. Ich drehe mich um, grinse die Testosteronis an und frage zuckersüß: „Wieso denn blind ABER heiß?“. Als sie mich total verwirrt anschauen, füge ich hinzu: „Sie hört übrigens, wenn ihr über sie redet“. Spätpubertäres Gekicher. Ich lache mit. 

In dieser Situation gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. DIE? BLIND? Blind ABER heiß? Und danach: cool, dass die Jungs wenigstens einigermaßen die Bedeutung meiner outfitverfälschenden Armbinden kennen. Und: Nettes Kompliment – brauche ich nicht, aber höre ich gerne. Ich kann gut damit leben, wenn man mich scharf findet.

Am lautesten hallt jedoch dieser klischeehafte Widerspruch in meinem Kopf, dass Behinderung und Sex sich zu beißen scheinen.

Lizzi in einer Gondel über Funchal.

Neues aus dem Nähkästchen: Ich habe Sex und bin sehbehindert!

Ich verrate jetzt mal ein kleines Geheimnis. Menschen mit Behinderung flirten, führen Beziehungen und haben ein Sexualleben. Gut, ich kann nicht für alle sprechen – aber bei mir ist das so und den meisten anderen auch. In erster Linie bin ich nämlich eine Frau. Das definiert meine Anatomie. Es steht in meiner DNA geschrieben, in meinem Code! Lizzi, weiblich, Östrogen, Periode, Brüste, Eierstöcke, Gebärmutter, Vagina, Klitoris… alles da.

Meine Behinderung ist nicht genetisch, sondern ein Resultat

Behindert dagegen bin ich nur, weil unsere Welt vorwiegend auf das Visuelle ausgerichtet ist – das ist insofern also nichts Körperliches, Angeborenes, sondern ein äußerer Umstand. In meinem persönlichen Grundcode ist „geringes Sehvermögen“ hinterlegt, aber nicht „behindert“. Eine Behinderung ist ein Konstrukt, eine Abstraktion – sie resultiert aus den Umständen. Erst die gelebte Realität macht einen weniger ausgeprägten Sinn zu einer Einschränkung. 

Einfaches Beispiel: würde sich plötzlich unsere Welt dahingehend verändern, dass es nur noch vollständig dunkel ist, wären Blinde und Sehbehinderte klar im Vorteil und alle, die sich vorwiegend auf ihre Augen verlassen, wären durch diesen Wandel behindert. 

Unsere körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten variieren, unsere Sinne sind unterschiedlich ausgeprägt. Je nach Lebensart und äußeren Begebenheiten sind diejenigen eingeschränkt, die mit von der Gesellschaft am meisten genutzten Sinnen nicht voll mithalten können. Daher würde ich ein mehrsinniges Miteinander begrüßen, da wäre mehr Platz für Vielfalt. So wie Ampeln seh-, hör- und tastbar sind. 

Meine Behinderung kommt also nicht aus mir, sondern aus der visuellen Dominanz der Mehrheit

ABER eine Frau bin ich durch und durch und ein Mensch sowieso! Und Menschen – halte dich fest – haben Sex! Um sich fortzupflanzen, jedenfalls, solange das Klonen noch umstritten und unausgereift ist. Und einfach zum Vergnügen – Ein Hoch auf das Abenteuer! Es lebe der Orgasmus! Viva Intimität!

Das ist bei gesunden Menschen so und bei uns Gehandicapten genauso.

Lizzi auf Liegestuhl im Bikini.

Sex und Sehbehinderung

Aus irgendwelchen Gründen fällt es der Gesellschaft sehr schwer, sexy und sehbehindert in Verbindung zu setzen.

Als ich als Teenagerin zum Faschingfeiern in einen Club ging und das in der Schule bekannt wurde, fragte man verständnislos und hohlköpfig, was ich denn in einer Disco wolle. (Ja, damals hieß das noch Disco!). Ähm – was ist denn das für eine dumme Frage? (Ja, manchmal gibt es dumme Fragen!) Musik fühlen! Tanzen! Feiern! Alkohol! Flirten! Und wer weiß… eben das, was die meisten Jugendlichen wollen.

Lizzi im Kostüm

„Lustigerweise“ wurde ich von meinen Mitschülern sonst nie als Gehandicpate behandelt, sondern für mein Anderssein ausgegrenzt. Und ich dachte, zu Behinderten müsse man immer nett sein *zwinker*. Aber das ist eine andere Geschichte… kommen wir wieder zu den Bienchen und Blümchen.

Das Thema Sex und Behinderung hat für mich zwei Seiten. Einmal wird mir meine eigene Sexualität abgesprochen, weil laut Vorurteilen kein Interesse meinerseits an so etwas besteht. Mein Veto zu diesem Punkt hast du bereits gelesen.

Auf der anderen Seite wird mir mit Aussprüchen wie „blind ABER sexy“ mein Sexappeal genommen. Also mal ehrlich, ich bin vielleicht keine Schönheitskönigin und schon gar kein Bikini-Model, aber so ganz unansehnlich finde ich mich nicht.

Lizzi in einer schmalen Gasse in Venedig. Ja, ich bin jetzt in einem Alter und in einer Phase des Selbstbewusstseins, dass ich sagen kann, dass ich mich hübsch finde und mag. Ich stehe total auf meine Locken, meine blauen Augen gefallen mir sehr und ich genieße schon mal vorm Spiegel mein verführerisches Dekolleté. Und weißt du was? Ich bin stolz drauf, dass ich das zugeben kann. Ich bin heiß. Für mich auf jeden Fall. Für meinen Freund auch. Und für manche anderen – das ist allerdings Geschmacksache und für mich weitestgehend irrelevant. Weitestgehend, weil ich Komplimente mag. Nicht die Bestätigung, die hole ich mir aus mir selbst. Aber hey, ist doch schmeichelhaft, wenn man mir sagt, dass man mich hübsch findet. Danke!

Das war aber nicht immer so. Tatsächlich war es desaströs anders!

Lizzi vor Madeiras Steilküste.

Ich war ein hässliches, hilfloses Nichts

Als ich – mitten in der Pubertät – in eine neu gemischte Klasse mit überwiegend fremden Mitschülern kam, kam ich nicht gut an. Ich war schrecklich schüchtern – so gehemmt, dass ich lieber in der Pause nach Hause gerannt bin, um einen vergessenen Stift zu holen, als meinen Nebensitzer um einen zu bitten. Das ist kein Witz, es ist passiert!

Zurückhaltend war ich zu der Zeit ohnehin, obendrauf kam dann das Mobbing. Es hieß, ich sei eingebildet, weil ich im Gebäude eine Sonnenbrille trug – warum ich diese brauche, habe ich allerdings zu Schuljahresbeginn erklärt. Ich würde auch nicht grüßen, wenn man mir von Weitem winkte… warum nur? Und ich würde bevorzugt werden, weil ich länger Klassenarbeiten schreiben durfte. Ausgleich statt Bonus hat nie einer verstanden – jedenfalls nicht die hörbaren Mitschüler.

Falls ich stumme Verbündete oder zumindest neutralgesinnte hatte, so wusste ich das nicht. Ins Gewicht fielen eben die, die fies waren, laut flüsterten und lästerten, im Schullandheim nicht mit mir in einem Zimmer sein wollten und so weiter. Dass ich einen Laptop zum Mitschreiben benutzen durfte, war natürlich auch unerhört.

Unsichtbare Behinderung 

Vielleicht war auch der Umstand problematisch, dass man mir meine Behinderung nicht ansieht und kaum anmerkt. In der Schule, wo ich mich perfekt auskannte, brauchte ich natürlich keinen Langstock und da ich davon ausging, dass meine Mitschüler über mich Bescheid wussten, rannte ich auch nicht mit einer Armbinde herum – nur ab und zu mit einem gelben Button mit drei schwarzen Punkten darauf. Den hätte ich mir aber sparen können, denn ich wurde tatsächlich gefragt, ob das ein Smiley sei. Erwähnte ich schon, dass ich das Gymnasium besucht habe? Von viel Bildung kann da aber nicht die Rede sein… 

Lizzi mit 18

Wenn man in einer prägenden Phase wie der Pubertät auf so viel Ablehnung, Abneigung und Widerstand stößt, kommen einem schlimme Gedanken. Ich glaubte damals, ich sei furchtbar hässlich – sowohl innerlich als auch äußerlich. Da waren diese Pickel, die ich mit den Fingern fühlen und die röteren im Spiegelbild sehen konnte – die der anderen sah ich nicht. Und juckende, pustelige, knallrote Neurodermitis an den Armbeugen, den Fingern, sogar auf der Kopfhaut… Es dauerte lange, bis ich begriff, dass alle Teenager pickelig sind oder irgendwelche Wachstumsbegleiterscheinungen haben, die sie nicht mögen. Ich konnte sie nur nicht sehen!

Damals war ich der absoluten Überzeugung, ich würde niemals einen Freund haben, weil man mich nicht lieben könne und ich war sicher, dass ich für Sex bezahlen würde müssen, weil mich niemals jemand anfassen würde. Ernsthaft, das war meine Realität. Wenn ich das so schreibe oder daran danke, kommen mir immer ein bisschen die Tränen, weil ich so wütend bin! Nicht auf mich! Ich hasse es, dass dieses hilflose, traurige Mädchen von damals so etwas Entsetzliches durchmachen musste. Dass niemand sie davor beschützen konnte. Dass man ihr so unsagbar wehgetan hat! Dass sie mit diesem brennenden Schmerz alleine war.

Tief durchatmen. Ich bin nicht mehr die Kleine von damals – es hat sich viel geändert!

Lizzi im Bikini

Vom hässlichen Entchen zum stolzen Schwan? 

Diese Ausgangssituation erklärt vielleicht, dass ich diese furchtbaren, im Nachhinein bis ins Mark erschütternden Ansichten später etwas überkompensiert habe. Als ich herausfand, dass ich durchaus für Männer attraktiv war, vergewisserte ich mich dessen sehr engagiert.

Haha, soll heißen, wann immer ich Party machen ging (Ja, ich liebe es, in Clubs zu tanzen!), suchte ich mir einen zum Rumknutschen. Ich genoss die Spannung, das Flirten, die Nähe, das Kribbeln, das sexuelle Knistern in der Luft. Küssen reizte mich mehr als der sexuelle Akt. Klar, ich hatte einige One-Night-Stands – besonders in meiner Studienzeit. Passiert halt, wenn man auf der Unteren Straße in Heidelberg wohnt. Meistens genoss ich allerdings lieber das erotische Vorspiel beim Kennenlernen oder engen Tanzen, denn die meisten Kerle haben es wenn es zur Sache geht, dann doch nicht so drauf, wie sie denken oder sie sind egoistisch. Guter Sex dauert eben und je besser man den Körper und die Vorlieben des anderen kennt, umso intensiver wird es. Das klappt selten in einer Nacht… 

Lizzi liegt auf einer Mauer

Da ich mich erst seit einem guten Jahr kennzeichne, wussten die Herrschaften, die mit mir flirteten nie, dass ich eine Sehbehinderung habe. Lies sich immer gut verbergen. Zum Küssen brauche ich nicht viel zu sehen… und da es meistens dunkel war, war das nie ein Problem 😉 Nur, wenn es darum ging, die Person wiederzusehen, weil man sich sympathisch fand, outete ich mich. Das war meistens sehr witzig. Ich so: „Ich bin übrigens fast blind“ und er sofort: „Siehst du mich dann überhaupt richtig?“ Jaaa, keine Sorge. Ich sehe, wie toll du aussiehst, das ist schließlich das Wichtigste in diesem Moment. Haha, wie sehr das doch aufs Ego geht. 

Ja, ich hab überkompensiert und mich ausgetobt. Ist das jetzt ein Grund, mich zu verurteilen? Eine hochgradig sehbehinderte Frau, die sich exzessiv im Nachtleben herumtreibt, nachdem sie in ihrer Jugend glaubte, abstoßend zu sein? Also ich finde nicht. Wie schon gesagt, wir stehen doch alle auf Spaß und Orgasmen.

Wir leben im 21. Jahrhundert – ich hab mich ausgelebt, hab vieles ausprobiert und noch mehr gelernt. Das Wichtigste ist wohl, dass man mit sich selbst im Reinen ist, dass man es aus den richtigen Gründen tut. Du kennst ja das alte Lied: ein Mann gibt mit seinem Aufriss von letzter Nacht an, eine Frau schämt sich dafür. Also bitte, das ist ja wohl von vorvorgestern! Jedenfalls in meiner Welt! Und ich hoffe, in deiner auch. 

Lizzi mit heißen Jungs.

Apropos die richtigen Gründe…

Oh nein, ich komme jetzt nicht mit diesem rechtfertigenden „Sie ist nur auf der Suche nach Liebe“-Quatsch und „Sie braucht nur den richtigen Kerl“-Unfug. So war das nicht. Ich war neugierig und ich hatte Spaß dran. Ich habe nichts aus Verzweiflung getan oder in der Hoffnung, dass der strahlende Prinz mich rettet… 

Trotzdem: Ich war immer auf der Suche nach Liebe – bei jedem Abenteuer, bei jedem Quickie, bei jedem ONS, bei jedem erotischen, engumschlungenen Tanz, bei jedem Partner den ich hatte… und Liebe habe ich gefunden! Die Liebe, nach der ich unbewusst gesucht habe, war Selbstliebe! Ich habe mich bei all diesen Eskapaden, bei allen Erlebnissen und in jeder Beziehung gesucht – mich selbst, den Draht zu mir, die Akzeptanz für mich. Ich kannte mich schon immer sehr gut, war stets reflektiert, wusste, was ich fühle und warum. Doch die Zuneigung zu mir, die jetzt tief aus meinem Herzen kommt, habe ich sehr spät entdeckt.

Deshalb hat es einige merkwürdige, fragliche und schädliche Partnerschaften lang gedauert, bis ich angekommen bin. Bei mir. Die Liebe, die ich suchte, konnte mir keiner meiner Freunde geben. Und was sie von mir wollten, hatte ich auch nicht für sie. Erst die Balance, das Finden meines Gleichgewichts in mir selbst hat mir Tür und Tor zu meiner jetzigen Beziehung geöffnet – der ersten ECHTEN Beziehung <3 

Lizzi mit ihrem Freund.

Gleiches zu Gleichem – Gehandicapte haben gehandicapte Partner, richtig? 

Übrigens hatte ich entgegen sämtlicher Vorstellungen anderer noch nie einen sehbehinderten oder blinden Freund. Auf dem Southside Festival 2018 fragte mich eine Angetrunkene ein paar Dinge und war von meinen Antworten total baff. Ob ich einen Job hätte – klar! Ob ich alleine zur Arbeit gehen würde – logo! Ob ich einen Freund hätte – sicher! Ob er auch sehbehindert oder blind sei – nein, warum das denn? Ob er heiß sei – selbstverständlich! 

Sie konnte kaum glauben, dass ich einen visuell gesunden Partner habe. Und sie ist nicht die Einzige. Meine Mutter erzählt mir auch ab und zu, wenn sie von mir spricht und sagt „Meine Tochter und ihr Freund fahren übers Wochenende weg“, dann wird immer gleich nachgehakt, ob besagter Freund ebenfalls ein Handicap hat. 

Ich frage mich ernsthaft, wieso? Es irritiert mich aus zwei Gründen. 

Bin ich nicht gut genug für einen gesunden Mann? 

Wieso diese Fassungslosigkeit? Etwa, weil sich kein körperlich Gesunder für eine fast Blinde wie mich interessiert? Weil ich schon was Besonderes sein muss, weil ich einen „Guten“ ergattert habe? Na, hab ich aber ein Glück gehabt, oder? Ich mag diese Darstellung gar nicht, denn mal ehrlich ohne Arroganz. Ich habe an einer Elite-Universität mit Einserschnitt graduiert, habe einen klasse Job als Onlineredakteurin, engagiere mich ehrenamtlich, bin körperlich fit und sportlich, außerdem lebenslustig, reisefreudig und überwiegend gut gelaunt. Ich sehe es gar nicht ein, mich als schlechten Fang abzutun, nur, weil ich hochgradig sehbehindert bin. 

Ist ein behinderter Partner ein Trostpreis? 

Immer, wenn dieser Satz fällt „Ah, dein Freund ist auch sehbehindert, oder?“, klingt das für mich, a) als würde ich keinen besseren abbekommen und b) als wäre es „nur“ ein anderer Sehbehinderter. Das degradiert doch mich und ihn!

Hätte ich einen seheingeschränkten Partner, wäre das für mich völlig in Ordnung. Wieso auch nicht? Ebenso, wie ich finde, dass ich nicht die schlechteste Partie bin, so wäre es weder eine Schande noch sonst etwas, einen Freund mit Handicap zu haben. Es hätte sicherlich auch etwas für sich, denn kein nicht Sehgeschädigter versteht zu 100 Prozent, wie es mir mit der Einschränkung geht. Das wäre ein Vorteil, den mir nur ein anderer Betroffener bieten kann. Und natürlich kann man sich gemeinsam unterstützen und Lösungen finden, eben weil man weiß, wie der andere sieht und fühlt. 

Lizzi am Meer im Bikini.

Vielleicht stellen sich die Leute auch Horrorbilder von Blinden vor. So einen ungepflegten, unrasierten Übergewichtigen, der nicht auf sich achtet. Visuell eingeschränkte Menschen können sich nämlich nicht rasieren und sind meistens fett, weil es ja eh egal ist, wie man aussieht, stimmt’s? Okay – so ein Partner würde mich jetzt auch nicht reizen. Aber doch nicht wegen einer Sehbehinderung, sondern wegen einer nicht zu mir passenden Lebenseinstellung. 

Fazit 

Ich bin eine hochgradig sehbehinderte Frau und habe Sex. Seit über fünf Jahren führe ich eine glückliche Beziehung mit einem visuell gesunden Mann. Vorurteile über Blinde und Sehbehinderte, die nicht sexy sind, stören mich, weil ich mich als attraktiv empfinde. Schlendere ich unmarkiert durch die Straßen, werde ich angesprochen, höre Pfiffe in meine Richtung und fühle interessierte Blicke. Streife ich die Armbinden über, werden alle femininen Merkmale unsichtbar, dann wandelt da nur eine Blindenbinde herum und auf den zweiten Blick stellt dann der ein oder andere fest, dass da ja eine nette Frau drunter steckt – und denkt sich, dafür, dass sie blind ist, ist sie echt sexy. So ein Schwachsinn! Entweder ich bin heiß oder nicht. Meine Augen haben damit gar nichts zu tun! 

Lizzi lehnt an barbusiger Statue.

Kennst du das auch? Hast du solche Situationen schon erlebt? Oder siehst du gut – was sagst du zu einem sehbehinderten Partner? Verrate es mir in den Kommentaren… 


 

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10 Kommentare zu „Let’s Talk About Sex: Heiß mit Handicap – geht sexy trotz Sehbehinderung?

  1. Mein Freund ist blind. Wir sind seit einem Jahr zusammen und ich habe den Besten Sex meines Lebens, einfach weil ich mich fallen lassen kann und nicht darauf achten muss wie ich in dem Moment aussehe. Zudem liebt er mich wie ich bin und nicht nach dem wie ich aussehe

  2. Was für ein toller Artikel! Du schreibst so toll stringent, ernsthaft und gleichzeitig locker. Ich musste ein paar Mal lachen.
    Danke auch für das Foto mit den beiden Herren. 😉

  3. Hi Julia, danke vielmals <3 Hihi, beim Schreiben musste ich auch einige Male richtig lachen, weil ich mich an die Situationen so deutlich erinnert habe... gerne, die zwei sind schon sehr knackig, gell? ;)

  4. Sorry!
    In meinem Beitrag habe ich eine falsche www-Adresse angegeben (die angegebene ist eine esoterische Vereinigung 🙁 )
    Die richtige webseite der heilpädagogischen Stiftung ALUNA findest Du unter:
    http://www.aluna.org.co

  5. ;.(
    Mein Beitrag ist offenbar nicht angekommen; hier der Inhalt:
    – Liebe Lizzi!
    Danke für diesen Deinen wunderbaren Text! Deine Sprache ist so reich, der Inhalt so berührend.

  6. Hallo Lizzi. Sags ja das du ne sexi Women bist.. Was mich ein ein bisschen stört ist das deine Sehbehinderung zu sehr bei Dir ist. LASS SIE MAL WEG.Ich sehe dich nicht als behindert !
    Lizzi ist toll und schreibt noch besser ! VIELE LIEBE GRÜSSE. – MARCEL

  7. Hi Marcel,
    herzlichen Dank für dein Feedback! Jaaa, die Sehbehinderung weglassen ist gar nicht so einfach. Sie ist ein Teil von mir. Nicht der größte, aber ein großer. Wenn ich so für mich alleine bin, sehe ich mich nie als „behindert“ oder denke so über mich. Auch wenn ich unter Freunden bin, die mich kennen und schätzen, vergesse ich häufig meine Sehbehinderung. In Beziehungen selbst war diese noch nie ein Problem. Aber wenn ich in der Gesellschaft unterwegs bin, wird sie mir immer wieder aufgezeigt, weil ich auf Barrieren stoße. Ich weiß, dass ich eine (für manche) tolle Frau bin und dass das mit der Behinderung gar nichts zu tun hat. So sehen es aber eben nicht viele Leute. Man sollte denken, es ist normal… ist es aber nicht. Das zeigen mir die vielen, vielen Reaktionen oder auch, was mir andere als Reaktion auf diesen Beitrag erzählt haben. Richtig krasse Geschichten… darum finde ich es wichtig, über das Thema zu sprechen, es zu diskutieren und zu teilen. Damit irgendwann mehr Menschen nicht mehr nur eine wandelnde Behinderung sehen, sondern Männer und Frauen, wie sie sind mit allem, was zu ihnen gehört.

    Herzliche Grüße
    Lizzi

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