Diesen Blogbeitrag anhören


Pünktlich zum 1. Januar 2019 habe ich meine Karriere als Schokoholiker an den Nagel gehängt und seither auf sämtlichen Naschkram verzichtet. Nicht auf Zucker per se, aber auf alles, was man unter Nachtisch versteht. Schokolade, Kekse, Gummibärchen, Eis etc., nichts kam mehr in die (Einkaufs)tüte! Meine persönliche Challenge „31 Tage ohne Süßigkeiten“ habe ich problemlos geschafft. Spontan beschloss ich, das ganze auf 90 Tage zu verlängern und weil das so super lief, habe ich gleich 180 Tage daraus gemacht.

Warum zur Hölle macht man sowas?

Es gibt viele Gründe, auf Süßkram zu verzichten: Gesundheit generell, gesundes Abnehmen, Disziplin. Viele werden sich fragen, warum man freiwillig komplett auf Süßigkeiten verzichtet oder auch, warum man nicht einfach ein bisschen weniger davon konsumiert. Die Antwort ist einfach: ich bin total süchtig. Ja wirklich, das ist kein Witz. Glaub mir, ich habe schon so oft versucht, weniger zu naschen, mich zu zügeln, zu bremsen. Es geht nicht. Vielleicht kannst du dir das gar nicht vorstellen oder denkst, das ist alles eine Frage der Willenskraft. Jein… für mich ist „ganz oder gar nicht“ in diesem Fall leichter.

Lizzi im Rausch

Für mich war es ein großer Schritt, denn du kannst dir gar nicht vorstellen, wie meine Naschattacken so ausgesehen haben: Eine Tafel Schokolade am Tag war das absolute Minimum – und natürlich eine große, nicht diese putzigen, kleinen 100g-Hapse. Kennst du das Spiel mit der Keksdose? Es geht: auf – zu – auf – zu – auf – leer! Hier ein süßes Stückchen, da zwei drei Eis am Stiel, lecker Puddingparty… am Bahnhof warten? Das muss man sich schon mit einem Marsriegel versüßen, oder zwei oder drei… oder… du kennst vielleicht noch nicht die geradezu legendäre Geschichte von mir und den fünf Mars, oder?

Damals habe ich in Heidelberg gewohnt und hatte eine Weile auf Süßigkeiten verzichtet. Weil ich aber dachte, so radikales Weglassen sei auch nicht das Wahre, kaufte ich mir eine Packung Mars – die großen, langen Riegel und hey, es war sogar einer gratis zusätzlich dabei! Cool, also jeden Tag einen essen, sagte ich mir und gönnte mir nach dem Einkauf meinen ersten. Aber wow, der Rausch packte mich beim ersten Bissen und schwupps war das Ding verputzt und das zweite gleich hinterher, schließlich hatte ich ja die letzten Wochen brav an mich gehalten. Ach, Nummer drei ist auch noch legitim, oder? Egal, schon ist das Papier auf, jetzt musst du das Teil auch essen… will ich das? Hmmm, schon lecker und naja, die Hälfte ist ja schon weg. Eigentlich… ja eigentlich kann ich die letzten beiden auch noch reindrücken, weil das jetzt wohl eh keinen Unterschied mehr macht

Toll, wieder nicht geschafft…

…mal diszipliniert zu bleiben, echt das Letzte, so ein Versagen! Klasse, na, dann genieß ich eben auch den Rest… und so waren fünf Marsriegel in wenigen Minuten Geschichte. Ob mir schlecht wurde? Nö. nur total müde. Das schlechte Gewissen, das Gefühl, mich nicht beherrschen zu können, wog tonnenschwer… wenn ich Freunden davon erzählte, waren sie total fassungslos, wie man so eine ganze Packung Karamellgenuss runterziehen kann und ich dachte immer bei mir „Goldig, es wäre auch noch mehr gegangen.“

Gumminaschereien in Cocktailgläsern

Das Gleiche geht übrigens auch mit Schokobons: Ich ging einkaufen, brachte mir eine Tüte Schokobons und ein paar Eis am Stil mit nach Hause. Alles mit der festen Überzeugung, es nicht zu übertreiben. Ich nahm mir eine lockere Hand voll Schokobons und setzte mich aufs Sofa. Gemütlich verputzte ich die Dinger.

Aber wie schon die Werbung uns gelehrt hat – sie sind klein und rund und mit einem Haps im Mund. Zwei mehr können ja nicht schaden, oder? Sind ja wirklich winzige Teilchen. Und noch zwei mehr… und noch zwei mehr… und… oh Shit. Jetzt ist die Tüte schon wieder halb leergefuttert. Schnell lege ich sie ganz hinten in den Schrank. Schluss verdammt noch mal. Wieder zurück zum Sofa, eine Serie anschauen und… im Hinterkopf schwirren mir Schokobons herum. Sie sind ja da. Ich weiß, wo sie liegen. An den Fingernägeln rumzupfen, unruhig werden. Komm, dann esse ich noch ein paar. Ach, weißt du was, dann esse ich sie eben alle, nun ist es auch vollends egal. So ein Scheiß, keine Disziplin, kein Halten.

Enttäuschung pur!

Und so ist ruckzuck die Tüte leer, die Befriedigung kurz und das Gewissen bleischwer. Die Waage schließt sich dem an und gut fühle ich mich erst recht nicht. Aus Scham drücke ich mir gleich noch ein Eis am Stil rein. Klasse, ist ja wiedermal super gelaufen.

Dann kauf doch den Kram einfach nicht, riet man mir. Gut, das habe ich genauso umgesetzt. Nichts Süßes mehr. Die Folge davon war, dass ich Nutella löffelte. Also wurde auch diese aus dem Haushalt verbannt. Blöd, Honig, Marmelade und Kabapulver schmecken ja auch. Und zur Not tut es auch ein Zuckerwürfel.

Die lockerleichte befreiende Lösung

Ja, so war das und so sehr ich versuchte, Süßigkeiten zu reduzieren, es gelang mir nie wirklich lange und pendelte sich schnell wieder im äußersten Extrem ein. Also dachte ich mir Ende 2018, ich sollte das Ganze auf Eis (aber ohne Geschmack!) legen und so ließ ich den ersten Monat ohne Nascherei vergehen. 31 Tage waren kein Problem, das verging wie im Flug und mein Bedürfnis war nicht groß. Die Entscheidung, komplett „NEIN“ zu Süßkram zu sagen machte es leicht. Und was soll ich sagen? So blieb es auch die restlichen Tage über.

Drei Dessertsschälchen mit Marmeladentopping

Tatsächlich ist das einzige, was mir bisher geholfen hat der komplette Verzicht auf Süßigkeiten. Es war einfach eine Entscheidung, die so unsagbar guttut! Es ist, als wäre ich befreit, endlich clean. Kein hektisches Zum-Schrank-Rennen mehr, keine Fressanfälle, kein furchtbares Schamgefühl, kein Selbstekel. Dieses Konsumverhalten passt auch nicht zu meinem Konzept von Selbstliebe.

Ich habe mich zu gerne, als das ich mir das weiter antun möchte. Ich wäre so gerne eine Person, die gelegentlich naschen kann und dann genug hat. Aber das bin ich nun mal nicht und darum ist diese Lösung für mich ideal.

Ist es wirklich so leicht?

Ja, federleicht sogar! Als hätte ich mit Süßigkeiten Schluss gemacht und die Trennung verarbeitet. Manchmal denke ich an leckere Momente zurück, aber richtig vermissen wäre übertrieben. Dann frage ich mich ab und zu, ob ich wirklich nie wieder Schokolade essen möchte, ob vergangenes Jahr das letzte Eis über meine Lippen ging…

Ich habe mir im Januar – vor einem halben Jahr! – einige Ausnahmen von meiner Challenge definiert, die ich bisher jedoch kaum wahrgenommen habe. Sie sind wie ein kleiner offener Türspalt, durch den ich gehen kann, wenn ich möchte. So bekomme ich keine schokoladige Klaustrophobie oder keksige Erstickungsängste durch mein drastisches, selbstauferlegtes Verbot. Oder Gebot? Ich verbiete mir ja nichts, ich verzichte nur auf ein Gift, das meine Gedanken und meinen Körper beherrscht hat.

Nach diesen Regeln lebe ich gerade glücklich

  1. Keine Süßigkeiten: Als Süßigkeiten verstehe ich zum Beispiel Twix, Kinderschokolade, Gummibärchen, Prinzenrolle, süße Stückchen usw.
  2. Keine Knabbereien: Pringles adé – keine Chips, Käsecracker oder ähnliches.
  3. Lieber Snacks: Zwischenmahlzeiten wie Maiswaffeln, Salzstangen und Kürbiskerne sehe ich als gesündere Alternativen zu süßem und salzigem Sünden, darum sind sie natürlich erlaubt.
  4. Ausnahmen: Legitim ist ein selbstgebackenes Stückchen Geburtstagskuchen oder Hochzeitstorte, denn das hat für mich mit industriell hergestellten, plastikverpackten Süßwaren nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um zum Anlass gehörende Besonderheiten.

Rate mal, wie viele Ausnahmen ich bisher genutzt habe? Genau zwei!

Ein Stück Torte mit dicker Sahneschicht, in dem eine Gabel steckt.

Zum 4. Punkt habe ich eine Aktualisierung:

  1. Die Urlaubsklausel: Dieses Jahr geht es beispielsweise nach Belgien, ein Land, das für seine Waffeln und Pralinen berühmt ist. Diesen durchaus kulturellen Aspekt der Reise möchte ich mir nicht versagen, weshalb ich diese Speisen probieren werde.
  2. Die Feiertagsklausel: Ostern und Weihnachten sind als Ausnahme zuzulassen, denn auch das sind besondere Anlässe, die sich in unserer Kultur besonders im Kulinarischen niederschlagen. So habe ich beispielsweise diese Ostern ein Schokohäschen und einen hasenförmigen selbstgebackenen Keks gegessen. Wichtig war mir nur, etwas zu naschen, das es nur zu diesem Anlass gibt. An Weihnachten (also unmittelbar am 24., 25. und 26. Dezember) werde ich es genauso handhaben. Vielleicht etwas Lebkuchen, ein zwei Plätzchen, das reicht.

Weihnachtsgebäck und Mandarinen

Ja, du liest richtig – Weihnachten!

Das heißt, meine Challenge geht weiter. Aus 180 Tagen ohne Süßigkeiten werden 365. Wenn ich ein halbes Jahr auf industrielle Sweets verzichten kann, kann ich es auch gleich ein ganzes Jahr durchziehen. Und solange es mir nicht schwerfällt, es mir nicht seelisch wehtut oder mich große Kraft kostet, lohnt es sich!

Hast du auch schon einmal auf Süßigkeiten verzichtet? Wenn ja, wie lange und fiel es dir leicht? Oder bist du ein so hoffnungsloser Schokoholiker wie ich? Deine Erfahrungen würde ich gerne in den Kommentaren lesen…


Werbeanzeigen

7 Kommentare zu „180 Tage ohne Süßigkeiten 2019

  1. Vieles, was du schreibst, kommt mir sehr bekannt vor!
    Ich hab letztes Jahr in der Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichtet. Es war einfacher, als ich dachte. Danach wollte ich meinen Konsum auch extrem runterfahren… aber das hat nicht funktioniert. Ich kann auch nix im Haus haben – egal wie sehr ich mir vornehme, mir es einzuteilen.
    Seit ein paar Tagen verzichte ich auf Zucker, so gut es geht. Ich esse einfach zu viel von dem Zeug.
    Deine Ausnahmen finde ich sehr einleuchtend. So denke ich mir das Ganze auch.

  2. Ich bewundere dich maßlos! Zwar esse ich am Tag keine große Tafel Schokolade, aber dennoch kommt einiges zusammen. Dabei tun wir uns mit dem industriellen Zucker, den leeren Kohlenhydraten und den ganzen Zusatzstoffen nichts Gutes – von der Figur ganz zu schweigen. Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit deiner Challenge und drücke dir die Daumen!
    LG
    Sabienes

  3. Hallo Sabienes,

    wow, vielen Dank für deinen lieben Kommentar und für das Lob <3 Ich tue mein Bestes und mache weiter so, solange ich es kann und es guttut!

    Herzliche Grüße
    Lizzi

  4. Hi Julia,

    ich kenne das echt gut, wenn man sich was vornimmt (etwas weniger, etwas kontrollierter usw.) und dann klappt es nicht. Darum geht bei mir ganz oder gar nicht einfach besser 🙂 Ich drücke dir die Daumen, dass du deine persönliche zuckerfrei-Challenge schaffst und es dir nicht schwer fällt.

    Liebe Grüße
    Lizzi

  5. Du sprichst mir aus der Seele!
    Es geht mir so wie dir. Es gibt bei mir keine offenen Chipstüten oder angefangene Schokoladentafeln. Sobald geöffnet, werden sie konsequent geleert. Punkt. Ich kann das nicht anders. Es geht einfach nicht.

    Seit 2 Monaten verzichte ich komplett. Und es ist wirklich so viel einfacher dadurch. Es stört mich auch nicht, wenn andere was naschen in meinem Beisein.
    Ich trau mich jedoch nicht auch nur ein Stückche zu probieren. Aus Angst, die Zucker-Flut bricht dann wieder unauhaltsam über mich herein. Der Vergleich zu einem trockenen Alkoholiker ist da leider sehr passend.

    Ausgenommen bei mir sind da auch Nachtische/Kuchen, wenn ich irgendwo eingeladen bin. Ich will dem bemühnten Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen, nur weil ich ein Zuckerjunkie bin 😉
    Aber Chips, Schoki, Weingummi und co, das was man halt eben so just for fun futtert, sind tabu.

  6. Hi. Ich bin seit über zwei Jahren „clean“ von all dem Zuckerkram. Von allem, was unter dem Stichwort „Süßigkeiten“ zu verstehen ist. Und das völlig freiwillig – ich war weder krank noch dick. Habe mich in Deinem Beitrag an vielen Stellen wiedererkannt. Mir ging es ganz genau so. Die 10‘er-Packung Schokoriegel („nur einer am Nachmittag“) bei der Arbeit war in wenigen Dienststunden weggeputzt. Dazu mehrere süße Cappucino täglich. Nach dem Joggen dieser Ballisto-Riegel als Belohnung, aus dem dann mal eben eher fünf wurden – usw.
    Der Vollverzicht fiel mir auch leichter. Die erste Woche war wie Entzug. Nach der zweiten Woche ließ der „Jieper“ dann endlich nach. Ich hatte sogar ABSICHTLICH Süßigkeiten in Sicht- und Griffweite liegen lassen, nur um zu lernen, NICHT zuzugreifen. Mittlerweile läuft mir nicht einmal mehr das Wasser im Munde zusammen, wenn ich duftenden, frischen Kuchen sehe.

    Ausnahmen habe ich nur zwei:
    -ein kleiner Schuss Sirup in den selbstgemachten Joghurt ist erlaubt
    -am Wochenende darf auch mal Marmelade aufs Brötchen (aber kein Nutella).

    Ich vermisse nichts mehr. Es gibt auch keinen Heißhunger mehr.
    In Gesellschaft komme ich mir fast vor wie ein Alien, da ich der einzige bin, der keinen Nachtisch isst oder in die Schoko-Schale greift. Aber da muss man dann einfach drüberstehen. Und vielleicht muss man es auch einfach so sehen: Nicht ich bin dann der, der peinlich ist, sondern es sind all die anderen, die sich einfach nicht mit dem Zuckerkonsum im Griff haben, obwohl sie doch ganz genau wissen, dass es ungesund ist.

    Manchmal werde ich gefragt, wann ich denn wieder anfange, Süßes zu essen. Ich sage dann: warum sollte ich? – ich vermisse doch gar nichts – es ist doch alles gut so wie es jetzt ist. Ein Raucher, der mit dem Rauchen aufgehört hat, wird doch auch nicht gefragt, wann er denn endlich wieder damit anfängt. 😀

    In diesem Sinne: weiter so! 🙂

    LG

  7. Hi André! Respekt, du bist da auf jeden Fall sogar strickter als ich. Nur am Wochenende Marmelade? Also das wäre mir dann doch eine Nummer zu groß 😉 Mega cool, dass du auf diese Weise dein Gleichgewicht gefunden hast. Weiter sooo!!!

Was sagst du dazu?