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Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen Stempel geschnappt und mir mitten auf die Stirn gedrückt. Richtig fest. Der Abdruck ist gelb mit drei schwarzen Punkten darauf – und bleibend.

Gut, genaugenommen habe ich mir die Kennzeichnung nicht unmittelbar im Gesicht platziert, sondern trage doch nur ganz gewöhnliche Armbinden. Zwei gelbe Bänder mit Filzpunkten zieren jetzt meine Oberarme und identifizieren mich für den durchschnittlichen Passanten als… ja, was eigentlich? Als blind? Oder so?

Ich bin doch gar nicht blind, jedenfalls meistens

Fast alle Menschen denken, die (gar nicht sooo wohlbekannte) Blindenbinde bedeute „blind“ – steckt ja auch im Namen! Demnach sehen sie alle Menschen als „blind“ an, die eine solche Markierung tragen. Blöd nur, dass ich gar nicht blind bin, sondern hochgradig sehbehindert, wobei die Intensität meiner Einschränkung je nach Lichtverhältnis variiert. Wenn es dunkel ist, würde ich mich allerhöchstens als sehbehindert deklarieren, bei ungünstigen Lichtverhältnissen jedoch als nahezu blind. Aber was teilweise nicht einmal Augenärzte richtig begreifen, kann man wohl kaum ohne längere Erklärung einem Passanten klarmachen und schon gar nicht mit einem simplen Zeichen. Wer mich also mit dieser Kennzeichnung sieht, sofern er ihre Bedeutung (einigermaßen) kennt, hält mich für blind und ist dann vermutlich total verwundert, dass ich ohne Langstock und Führhund unterwegs bin und eventuell sogar befremdet, sobald ich mir das Smartphone vors sonnenbebrillte Gesicht halte. Sieht sie jetzt oder nicht? Und wenn ja, wieviel? Oder ist die Markierung ein Witz? Ne, sie geht schon sehr nah ans Display. Häääääääää??? So stelle ich mir zumindest ab und an den Gedankengang von Fremden vor, wenn sie auf mich treffen. Kein Wunder, dass sie teilweise keine Ahnung haben, wie sie mit mir umgehen sollen. Helfen? Ignorieren? Ansprechen? Hinschauen? Wegschauen? Tut mir leid, ich finde es auch nicht leicht. Gar nicht leicht. Und anstrengend!

Die Alternative ist auch nicht prickelnd

Bevor ich zur Offenlegung meines Handicaps griff, schlug ich mich inkognito durch die Welt. Für Behördengänge verwendete ich gelegentlich einen kleinen gelben Button mit schwarzen Punkten, ansonsten wandelte ich unerkannt durchs Leben. Da war ich an sommerlichen Tagen einfach nur eine Frau in der Fußgängerzone, zu bewölkten Zeiten die Arrogante, die mit der Sonnenbrille durch den Regen rennt. Die Komische, die ihre Nase fast gegen den Busfahrplan drückt und der man gerne mal zuruft: „Ohne Sonnenbrille geht’s besser.“ Nein, geht es nicht, aber egal. Seltsamen Menschen wie mir darf man ja eins reinwürgen. Man wird ja schließlich besser wissen, wie mein Alltag funktioniert. Ein weiterer, grandioser, immer gern gegebener Tipp: ich solle mir ein größeres Handy kaufen. Meistens ging dieser Ratschlag mit Häme und Gelächter einher. Ist ja auch zu albern, so eine Kleine mit blonden Locken, die nur Zentimeter vom Display entfernt auf eine Textnachricht starrt. Sowas geht ja gar nicht. Muss man sich dringend einmischen. Eine besonders hilfsbereite Person am Flughafen von Baden-Baden verriet mir übrigens die wohl gravierendste, lebensverändernde Wahrheit: Ich solle mir doch eine stärkere Brille zulegen. Das würde helfen. Ich erklärte zwar, dass man bei etwa sieben Prozent Sehrest auch mit einer starken Brille nicht besonders viel machen kann (mal ganz abgesehen von all den anderen Problemen wie Nystagmus und Photophobie und der Tatsache, dass ich bereits eine starke Brille habe), aber sie blieb beharrlich und versicherte mir, dass man heutzutage alles mit einer entsprechenden Brille beheben könne. Wow – Danke! An ihr ist wahrlich eine große Medizinerin verloren gegangen, eine Koryphäe der Augenheilkunde und eine echte Empathin! Mein Gott, bin ich froh, dass ich diese weise Erleuchterin meiner Realität getroffen habe… nicht!

Vom Regen in die Traufe?

Du siehst, ich hatte also die Wahl, mich zu entscheiden, ob ich lieber dumm-arrogant-ungeschickt-seltsam oder doch lieber blind-obwohl-ich-nicht-blind-bin sein möchte. Lange Zeit wollte ich letzteres nicht, weil sich alles in mir dagegen sträubte. Nicht, weil ich etwas gegen Blinde hätte. Sondern einfach, weil ich es NICHT BIN! Weil es keine Kennzeichnung gibt, die aussagt, was ich bin. ABER dumm-arrogant-ungeschickt-seltsam bin ich auch nicht. Darum entschied ich mich im vergangenen März für die Markierung als blind oder hochgradig sehbehindert. Mit der einfachen Begründung, dass ich wenigstens für etwas gehalten werden wollte, was ich eher bin. Denn besagte Kennzeichnung steht für blind oder sehbehindert und sehbehindert bin ich. Also wenn man mich schon verurteilen und in eine Schublade stecken muss, dann doch bitte in die, in die ich auch einigermaßen gehöre!

Verantwortung abgeben

Ein Jahr lang konnte ich erfahren, wie es so ist, sich zu kennzeichnen. Mein Fazit vorab: ich werde es weiterhin tun, denn ich muss gestehen, dass die Feindseligkeiten, die kleinen Alltagsangriffe größtenteils weggefallen sind und das macht mein Leben wesentlich positiver. Man kann sich kaum vorstellen, wie schön es ist, wenn man mal mit Sonnenbrille in eine hellerleuchtete Arztpraxis kommt und nicht dumm angepflaumt wird, man solle doch höflicherweise die Augen zeigen. Stattdessen werde ich jetzt teilweise geschnappt und überall hin geführt. Das ist dann schon fast zuviel des Guten, aber das nehme ich lieber als die Anfeindungen, das ist ganz klar. Außerdem will ich auch niemanden, der hilfsbereit ist, vergraulen und manchmal, das gebe ich offen zu, ist es einfach schön, wenn sich um mich gekümmert wird, wenn ich erkenne, wie sich jemand freut, weil er mir behilflich ist, wie ich mal nicht konzentriert sein muss, mal nicht in Kampfstellung… eine Erleichterung. Und viel Grund zum Kämpfen gab es. Das ein oder andere erfährst du hier. Oder das Mobbing in der Schule. Die Demütigung, wenn man traumahinterlassend Treppen runterfällt und keiner reagiert oder sich richtig bitter an Straßenlaternen wehtut und statt freundlicher Hilfe hört man nur Gelächter. Ich wurde schon so oft mit fiesen Sprüchen zu meiner Sonnenbrille angegriffen, es wurde sich über mein nahes Herangehen an Bildschirme lustig gemacht („Bist du blind oder was?“ – ääähm, ja fast…). By the way scheint mir die Darstellung des christlichen Teufels völlig falsch zu sein, denn nach all dem, was ich gelernt habe, sollte er definitiv eine dunkle Brille tragen. Muss der Horror für Normalsterbliche sein, wenn andere so etwas bei wenig Sonne und OHNE IHRE ERLAUBNIS tragen. Ich könnte aus dem Stehgreif tausende Situationen aufzählen, in denen ich wirklich negativ angegangen wurde und das, obwohl ich niemandem geschadet habe, obwohl ich immer freundlich und hilfsbereit war und mir die größte Mühe gab, mich einzufügen. Ich versuchte, niemandem im Weg zu stehen, kein Hindernis zu sein und vor allem Offenheit auszustrahlen. Wirklich – das schwöre ich dir – ich habe nichts getan, um anderen negativ aufzufallen. Ich war einfach nur da mit meiner Sonnenbrille und den seltsamen Anwandlungen der Näherung an bestimmte Objekte… das hat schon gereicht, um unten durch zu sein. Dass das endlich ein Ende hat, dafür bin ich SOOO dankbar! Dafür trage ich gerne ein Zeichen, das nicht genau das trifft, was ich bin… aber es nimmt die Schwere, sich immer nur verteidigen zu müssen. So kann ich mal durchatmen.

Lizzi liegt im Gras

Eine unsägliche seelische Wohltat ist dabei auch, dass ich mal Verantwortung abgeben kann. Vorher habe ich diese komplett auf mich genommen, denn dadurch, dass ich mich nicht zu erkennen gegeben habe, war es an mir, Situationen dementsprechend zu erklären, zu entschärfen, zu bewältigen. Zum Beispiel im Supermarkt an der Kasse. Da zog jemand meine Ware über die Registrierung und wartete, dass ich bezahlte, ohne den Betrag zu nennen. Er wurde ja digital angezeigt und mein Gegenüber ging davon aus, dass ich das sehen könne. Früher war es meine Aufgabe, zu sagen, dass ich das nicht lesen könne oder ich gab einen dem Überschlag entsprechend größeren Geldbetrag und nahm gezwungen vertrauensselig mein Rückgeld entgegen. Heute brauche ich gar nichts zu tun. Man sagt mir was ich zu bezahlen habe. Und wenn nicht, warte ich, bis die Erkenntnis kommt. Ganz einfach. Jetzt wird die Verantwortung geteilt.

Der tiefste Eindruck

Das wohl Krasseste, was mir seither widerfahren ist: am zweiten Tag meiner Kennzeichnungsphase stand in der S-Bahn eine alte Dame für mich auf, lächelte mich herzerwärmend liebenswürdig an und bat mich Platz zu nehmen. Eine alte Dame! Für die ich sonst aufstehen würde! Wenn ich dieser Frau nur einmal sagen könnte, wie sehr mich das gerührt hat. Denn genau an diesem Tag war ich so müde und hatte wirklich üble Kopfschmerzen, ich wünschte mir so sehr einen Sitzplatz, konnte aber beim Einsteigen keinen mehr ergattern, weil andere schneller und zielsicherer gewesen waren.

Mir ist schon aufgefallen, dass mir mehr geholfen oder Unterstützung angeboten wird. Manchmal reicht es nur, dass ich kurz zögernd auf dem Gang stehenbleibe und schon fragt mich ein Vorbeigehender, ob ich etwas bräuchte. Und wenn ich nach Hilfe frage, erhalte ich viel positivere Reaktionen als früher – schon alleine, weil ich nicht mehr so viel erklären muss. Früher bekam ich auf die Frage „Fährt dieser Bus zum Bahnhof“ häufig die unsagbar weiterführende Antwort „Steht doch dran“ oder „Schau’n Se doch auf den Plan.“ Ja, danke. Würde ich ja, wenn ich könnte, aber man schien mir chronisch unterstellen zu wollen, ich wolle Busfahrern das Leben schwer machen, indem ich sie mit Fragen löcherte, deren Antwort ich bereits kannte oder ich sei zu faul zum Lesen. Ertappt, Mist 😉 Heute bekomme ich eine vernünftige Auskunft – juhu! Endlich habe ich es zu „menschenwürdig“ geschafft.

Es hat sich viel verändert

Sowohl in der Außenwahrnehmung als auch in meiner eigenen Empirie des Lebens. Ich würde aber keinesfalls sagen, dass die Markierung all meine Probleme gelöst hat, manche hat sie nur transferiert, umgepolt. Viele Problemsituationen sind jetzt leichter zu handlen, besser zu lösen. Die extreme Negativität, die mir durch meine unerklärte Andersheit entgegenschlug, wird durch den Filter der Markierung neutralisiert.

Ich kann zumindest soviel sagen: einiges, was mir ohne Markierung passiert ist, würde mir jetzt wohl nicht mehr widerfahren. Je nachdem, wie gut die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die Symbolik kennen. Ende 2016 hat mich mal ein Fahrrad auf der Straße umgefahren. Keine Ahnung, ob es eher meine Schuld war, weil ich es nicht gesehen (oder gehört) hatte oder ob der Fahrradfahrer besser hätte aufpassen müssen. Ich bin mir heute sicher, dass es vor allem einfach dumm gelaufen ist. Die Narben an den Knien habe ich immer noch, die gehen einfach nicht mehr weg. Eine Blindenbinde hätte das vielleicht verhindert, weil der Mann dann von Weitem alarmiert gewesen wäre. Was aber nicht per se heißt, dass mein Gelb-Schwarz-Signal mich grundsätzlich vor Schaden bewahrt. „Freilaufende“ Kinder (Kindernisse) auf Fahrrädern, Rollern, rennend und träumend in die Luft starrend wissen nicht, was die Markierung bedeutet und nehmen selbstverständlich keine Rücksicht. Ihre Eltern leider oftmals auch nicht… So kam ich – trotz neuer Gewandung – zu weiteren Narben, als ein Kind sein Velo abgelenkt von was auch immer mitten in mich hineinschob. Ich wusste, entweder müsste ich ausweichen und dabei stürzen oder ich würde das Kind umwerfen. Logisch, dass ich semikontrolliert zu Boden ging. Der Vater, der mit anderen Kindern beschäftigt gewesen war, zog mich dann wieder auf die Beine und entschuldigte sich. Zu spät, aber immerhin.

Und ohne, dass ich jetzt hier eine Diskussion lostreten möchte, meine Erfahrung hat mich bisher gelehrt, dass häufig Menschen, die ich – sagen wir mal – nicht Deutsch sprechen höre, absolut nicht auf meine Kennzeichnung reagieren. Wahrscheinlich einfach, weil sie dieses Zeichen nicht kennen.

Du siehst, eine Blindenbinde ist nicht die Antwort auf alle Fragen, aber auf manche.

Aber… es gibt immer ein Aber! 

Ich will nicht undankbar erscheinen, denn diese Veränderung hat mein Leben schon bereichert. Das möchte ich gar nicht leugnen. Ich füge mich in mein Schicksal, dass ich dieses visuelle Statement benötige, um in der Gesellschaft einigermaßen akzeptiert zu werden und einen wenig durchgerüttelten Platz zu finden. Als Teil von ihr fühle ich mich trotzdem nicht. Da sind so liebenswerte Menschen, die mir hingebungsvoll helfen, so viele offene Leute, die auf mich zugehen… aber da sind auch die, die mich anstarren und denken, ich bemerkte das nicht. Das ist leider die Mehrheit. Die große Mehrheit. Das sind die, die mich wie einen Alien behandeln. Als wäre ich etwas total Merkwürdiges, Schwieriges, Unbequemes… und schon gar keine 30jährige Vollblutfrau mit vielseitigem Charakter und facettenreichem Gefühlsleben, die gerne mal als solche wahrgenommen werden möchte und nicht nur als „die Blinde“. Halte mich bitte nicht für eingebildet oder oberflächlich, wenn ich das jetzt sage, aber mal ehrlich. Ich bin sehr vieles und vor allem eine extrem feminine Person mit einer gesund ausgeprägten Sexualität und völlig menschlichen Gefühlen und Bedürfnissen wie körperliche und emotionale Befriedigung, Liebe, Hunger, Durst, Abenteuerlust, Ängsten, Hoffnungen, Ideen und Kreativität. Ich würde so gerne als das wahrgenommen werden, was ich bin und nicht immer nur als ein wandelndes Handicap. Ich habe nichts gegen einen kleinen Flirt oder ein Späßchen mit einer Unbekannten in der Schlange beim Rewe oder eine normale spontane Interaktion. Aber für die meisten Herrschaften bin ich erstmal die Behinderte (klar, will ja keiner eine fast blinde Freundin, die sieht ja bestimmt nicht, wie toll man doch ausschaut (Doch, tut sie ;))) und für die meisten Mitmenschen bin ich unbedingt mit Samthandschuhen anzufassen, denn man weiß schließlich, dass Menschen mit Handicap (oder speziellen Bedürfnissen, oder wie man uns heute so nennt) bei jeglich menschlicher Behandlung schluchzend zu Staub zerfallen. Lernt man doch in der Schule sowas!!! Paradox im Übrigen, dass ich vor der Markierung mit Aggressionen zu kämpfen hatte und jetzt in Watte gepackt werde. Alles, was sich verändert hat, sind zwei gelb-schwarzgepunktete Armbinden… verrückte Welt! Ein Mensch war ich doch schon immer, könnte ich denn nicht so behandelt werden? Respektvoll? Egal ob mit oder ohne Kennzeichnung…

Lizzi in Heidelberg

Zum Glück habe ich einen Freund, dem das vollkommen gleichgültig ist, der mich so nimmt, wie ich bin. Er hat mir noch nie das Gefühl gegeben, dass er wegen meiner Behinderung auf etwas verzichten müsse, dass sie ihn störe oder ihm unangenehm sei. Bei ihm kann ich einfach ich sein. Da fühle ich mich nicht behindert.

Vielleicht kommt es dir darum komisch vor, dass ich gerne auch als hübsche, clevere Frau (für denjenigen, der das so findet) gesehen werden möchte. Es geht mir nicht darum, dass ich davon träume, dass mir Männerhorden hinterherpfeifen oder alle im Block mir High-Fives geben wollen, weil ich die Coolste bin. Ich kenne aber den Unterschied – wenn ich nicht markiert bin, werde ich (abgesehen von all den anderen oben beschriebenen Kriterien) als feminines Lebewesen durchaus wahrgenommen und das gefällt mir, weil ein wichtiger Teil von mir nicht negiert wird. Denn das ist eben auch ein Nebeneffekt – alles Individuelle, das man an mir erkennen könnte, wird vom fetten „BEHINDERT“ überdeckt. Zack, weg das Fröhliche, Lustige, Smarte, Alberne, Lebensfrohe… nur ein dickes, unübersehbares „HANDICAP“ mitten auf meiner Stirn. Abgestempelt.

Lizzi sitzt auf der Lehne einer Bank

Das Ironische daran ist, dass ich vorwiegend als behindert gesehen werde, also etwas Künstliches, denn wäre unsere Gesellschaft nicht auf Menschen mit gesunden Augen ausgerichtet, wäre ich gar nicht behindert. Aber eine Frau bin ich so oder so meiner Biologie nach. Und mein Charakter ist ebenfalls unabhängig von Konventionen und Ausrichtungen. Meine wahre Natur wird zugepflastert, von dem, wozu ich gemacht werde.

Und wie geht es weiter?

Ja, ich werde mich definitiv weiterhin tagsüber kennzeichnen, denn es hat unwiderlegbar mehr positive Aspekte als negative. Und ich habe mir auch zur Aufgabe gemacht, dass ich wann immer ich kann meinen Mitmenschen verdeutlichen werde, dass ich niemand bin, den man vollkommen anders behandeln muss, dass ich offen bin und man mit mir reden kann – über mein Handicap und alles andere auch. Ich werde jedem, der bereit ist, es zu sehen, zeigen, wer ich bin und wie einfach es sein kann, mit Sehbehinderten umzugehen. Wir beißen nicht (glaube ich, ich kann jetzt natürlich nicht für alle sprechen). Wir mögen spezielle Anforderungen haben, um in einer Gesellschaft für Sehende zurecht zu kommen, aber vor allem sind wir Menschen, die wie jeder andere geliebt werden möchten. Wir wünschen uns echte Freunde, wir fühlen uns geborgen in unserer (Wahl)familie, wir lachen gerne, haben Spaß, brauchen mal Hilfe und wollen uns ausleben, neue Erfahrungen machen, dazugehören, einfach leben!

Wir sind im Grunde ganz genau wie jeder andere… schade, dass es dafür keine Kennzeichnung gibt. Muss man wohl selbst drauf kommen 😉

Und du? Hast du eine visuelle Einschränkung und markierst du dich? Warum? Warum nicht?

Oder bist du nicht sehtechnisch gehandicapt? Wie ist das mit dir? Kennst du die angesprochene Markierung? Weißt du, was sie bedeutet? Wie gehst du mit Behinderten um?

Ich würde mich total über deinen Kommentar freuen – erzähl doch mal! Und teile gerne, wenn du diesen Blogpost für lesenswert hältst.

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21 Kommentare zu „Seit einem Jahr freiwillig abgestempelt – mein Leben mit Handicap #2

  1. Nunja, ich hatte in meinem Leben schon einige depressive Phasen, da wirkt man auch komisch und es gibt keine Kennzeichnung dafür. Ich bin dann einfach sehr offen damit umgegangen, indem ich das selbst theamtisiert habe, weil ich damit normalerweise auch arbeiten gegangen bin. Ich habe mein Umfeld da als sehr offen und emphathisch erlebt.

  2. Mir erging es genau so wie dir , ist nur schon ein paar Jährchen länger her. Zuerst war die Kennzeichnung eine Riesen Überwindung , schnell aber auch eine Wahnsinns Erleichterung.l.g.Anja

  3. Ich finde es ehrlichgesagt (aber es ist verständlich) nicht gut das du erwartest die Menschen müssen mit sehbehinderten ohne Kennzeichnung auch mit ebensolche rechnen. Nein tun wir nicht. Wir gehen zunächst davon aus unsere Gegenüber sind des Sehens mächtig. Ich denke wenn jemand stark gehandicapt ist bzgl Augenlicht, ja fast blind muss man sich kennzeichnen schon aus dem Grund weil ich Wesen weiß von der Person kann ich das und das nicht mehr erwarten (zb Unfallgefahr). Eine Person die aber Halbblind unterwegs ist und dann normal behandelt werden möchte ist für mich unverständlich. Es ist auch grobfahrlässig. Harte Worte aber es ist so. Ich schreibe sie weil du sehr hart urteilst. Ich wünsche dir alles Gute.

  4. Hallo Schniker,

    danke für deinen Kommentar, dem ich so zu 100 % zustimme. Vielleicht kam meine Botschaft nicht richtig bei dir an, aber sie lautet nicht, dass jeder erraten soll, wie sein Gegenüber tickt, welche Probleme es haben könnte usw. Mir geht es vor allem darum, dass ich wegen – im Grunde – nichts angefeindet wurde zum Beispiel wegen meiner Sonnenbrille. Ich kritisiere damit vor allem die gesellschaftliche Einstellung, dass man aggressiv gegenüber allen und allem ist, das anders ist. Ich selbst würde beispielsweise nie jemanden herablassend behandeln, nur weil er eine Sonnenbrille trägt oder zu stark geschminkt ist oder im Piratenkostüm herumläuft. Mir geht es vorwiegend um Respekt.
    Ich habe beschrieben, dass ich immer versuchte, meinen Mitmenschen die Verantwortung abzunehmen, wie an der Supermarktkasse, weil ich ja weiß, dass sie nicht wissen, dass ich sehbehindert bin. Durch die Markierung habe ich die Verantwortung abgegeben.
    Ich hoffe, ich konnte dir den Unterschied meiner Intension zu deiner Interpretation verdeutlichen, denn ich erwarte wirklich keine hellseherischen Kräfte, sondern nur eine menschliche Behandlung ob mit oder ohne Markierung 🙂

    Danke für deine Offenheit und herzliche Grüße
    Lizzi

  5. Das ist ein schön humorvoller und gut geschrieben der Beitrag gewesen mit tollen Bildern von dir du kannst echt wirklich auf dich stolz sein.
    An manchen Stellen musste ich sogar schmunzeln und fand es toll das du dann auch immer wieder Humor an den Tag legst bei dem trotzdem so ernsthaften Thema.
    Ich bin zwar nicht blind aber sehbehindert und ich kenne solche Situationen die du beschrieben hast auch sehr gut.
    Es stimmt es bräuchte eine konkrete Kennzeichnung für nur sehbehinderte Menschen! Denn in meinen Fall wäre ein Blinkensband auch nicht betreffend da ich auf meinen anderen Auge 100 % sehe.
    Bei den bei dir beschriebenen Situationen habe ich auch oft in deckt das die Menschen unsere Antworten manchmal überhaupt nicht verstehen.
    Oft frage ich dann konkret nach und merke sie haben gar nicht verstanden was sie Behinderung bedeutet oder wie das bei mir ausschaut Sie verstehen einfach nur das Da eine Behinderung ist und verwechseln das sogar mit einer gewissen geistigen Eingeschränktheit.
    In weiteren Gesprächen habe ich dann gemerkt dass die Leute völlig irritiert sind dass das eben nicht mit einer geistigen Eingeschränktheit zu tun hat sondern dass nur die Augen eingeschränkt sind.
    Umso mehr ich selbstbewusster und lebenslustig aufgetreten bin waren die Leute noch mehr irritiert weil jeder ein gewisses Bild von Blinden oder sehbehinderten Menschen in seinem Kopf hat wie die Leute zu sein haben.
    Sie können sich gar nicht vorstellen dass wir Hobbys haben Freunde und dass wir Filme gucken oder dass wir uns mit dem Handy beschäftigen.
    Ich hab auch oft mal die Antwort bekommen naja ich hab mir halt so vorgestellt ihr sitzt nur da ist trinkt und schläft o. k. telefonieren geht vielleicht auch noch hört Radio und sitzt ansonsten nur so rum.
    Ich bin der Meinung in unserer Gesellschaft wird noch viel zu wenig thematisiert und bildlich gezeigt wieso wirklich das Leben eine sehbehinderten oder blinden Menschen ausschaut.
    Und erst wenn sie sehen was ist zum Beispiel für technische technische Möglichkeiten hat um Augen ich nenne es mal zu ersetzen können Sie sich erst langsam vorstellen Wie das Leben außerhalb dieser Behinderung ausschaut.
    Was ich damit sagen möchte ist manchmal hilft es einfach nicht vorauszusetzen. Ich weiß es wäre toll wenn jeder so empathisch auf uns zu gehen würde aber Sie können sich es einfach wirklich beim besten Will nicht vorstellen wie es ist nicht mehr zu sehen und Sie können sich beim besten Will nicht vorstellen welche technischen Möglichkeiten und Hilfsmittel es mittlerweile gibt und dass man damit auch glücklich und gut leben kann Freundschaften halten kann arbeiten kann oder ähnliches. Das erleben Sie erst in den Kontakt mit einem blinden Menschen und wenn sie selbst sehen wie der jenige seine Hilfsmittel nutzt.
    Was ich weiter hartnäckig hält ist das sehbehinderte und blinde Menschen meistens entweder gar nicht oder in einer Behindertenwerkstatt arbeiten.
    Sie sind dann auch völlig irritiert dass jemand eine Arbeit nachgehen und mit welchen Problematik and wir uns damit beschäftigen müssen dass unser Arbeitsplatz zu um funktioniert wird das ist unsere Behinderung gerecht wird.
    Das ist anscheinend auch so ein gängiges Thema.
    Und ausgerechnet die die am Anfang des Gespräches am meisten zu mir flapsig und gemein waren haben dann im Grunde genommen in den weiteren Gesprächen eingeräumt dass sie gar nicht richtig über diese Erkrankung und wie man mit diesen Menschen umgehen soll aufgeklärt sind und sich selber extrem unsicher fühlen. Oft wurde mir auch gesagt wenn ich mich mit dir richtig beschäftigen würde und mit deiner Krankheit müsste ich drüber nachdenken was wäre wenn ich blind werden würde wenn meine Augen nicht funktionieren und das versuche ich zu vermeiden und zu verdrängen. Und genau das ist es wenn diese Angst bei den andern Menschen hoch steigt werden sie zu uns gemeint weil sie versuchen diese Angst und diese Konfrontation zu verdrängen.
    Und mir haben Leute dann immer wieder gesagt sie war irritiert sie kennen das eigentlich nicht dass ich blinde Und sehbehinderte Menschen auf einmal abgrenzen können und sie in die Grenzen weisen und das auch noch dazu In freundlichem Ton. Das geht natürlich nicht immer aber ich versuche zu 80 % das meistens freundlich und sachlich zu sagen. Ich kann nur jedem ans Herz legen versucht euch ab zu Grenzen klar zu sagen wo sich auch der jenige nicht mehr einmischen zu braucht und ihr auch gar nicht die Meinung dazu hören möchtet. Denn viele verstehen das so blind oder sehbehindert bedeutet Entmündigung selber Entscheidungen zu treffen und einschätzen zu können! Sei stark!
    Eine Frage hätte ich noch warum ist deine Blog nicht Barrierefrei und hat eine keine Vorleser Funktion?

  6. Hallo Lizzi,
    ich beglückwünsche dich zu diesem tollen Artikel und den reflektierten Blick auf dich und unsere vorverurteilende Gesellschaft. Leider können sich viele nur gut fühlen, wenn sie andere unter Beifall und Gelächter ihrer “Freunde“ abwerten.
    Ja, ich habe mich auch schon von einem Sonnenbrillenträger auf meiner damaligen Arbeitsstelle “provoziert“ gefühlt. Ich habe ihm dann gesagt, dass er doch wenigstens zum Essen seine Brille absetzten solle, weil ich das sehr unhöflich von ihm finde. Im darauffolgenden Gespräch erfuhr ich dann vom Sinn dieser Brille für ihn. Nicht eine Sekunde hätte ich mir vorher diesen Grund vorstellen können, weil ich davor noch nie (bewusst) in Kontakt mit sehbehinderten Menschen gekommen bin. Wie auch – in diesem exkludierenden System, welches Menschen mit Behinderung solange aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannt hat.
    Natürlich muss dir niemand ansehen das du Sehbehindert bist, wenn du keine Binde trägst –
    man sieht niemandem an, welches Leid zu tragen und ertragen ist.
    und ich bin ganz bei dir, dass es niemandem das Recht gibt dich zu verurteilen, weil du die Dinge nicht so tust, wie sie es erwarten oder gut finden.
    Respekt und Verständnis für alle: Wohnungslose, Behinderte, Alleinerziehende, Homo-Paare etc.

    Herzlichst
    Micha

  7. Lieber Micha,

    ganz lieben Dank für deine Worte. Solch ein Feedback tut sooo gut!

    Einen wunderschönen Start in die neue Woche
    Herzliche Grüße
    Lizzi

  8. Guten Morgen, liebe Angela,
    entschuldige bitte die Verspätung – ich sag dir, die vergangene Woche war… „krass“ in vielerlei Hinsicht!
    Also erstmal ganz lieben Dank für dein unglaublich schönes Lob für meinen Beitrag und die Bilder. Das freut mich total!
    Die Verwechslung mit einer geistigen Behinderung, die du beschreibst, die kenn ich auch ganz gut  Das ging mir anfangs mit einigen Arzthelferinnen so, die haben plötzlich (nach der Kennzeichnung) mit mir ganz l-a-n-g-s-a-m und DEUTLICH geredet, nur noch einfache Wörter benutzt und so weiter… sowas finde ich dann eher witzig, weil ich ja weiß, dass sie es nicht besser wissen und immerhin versuchen, irgendwie zu reagieren. Die fallen dann immer vom Glauben ab, wenn ich so beiläufig mein Studium erwähne oder absichtlich mal ein paar Fremdwörter fallen lasse… bissle Spaß muss ja auch sein  Natürlich kläre ich sowas meistens gesichtswahrend für alle.
    Die Überraschung, dass wir „ein Leben haben“, kenne ich übrigens auch. Ich war vergangenen Sommer auf dem Southside Festival und habe mich dort auch gekennzeichnet. Ein leicht angetrunkenes Mädel kam dann ganz neugierig her und hat mich ausgefragt und sie war total am Ende und fassungslos, dass ich alleine gewohnt habe, sogar studiert, dass ich tatsächlich arbeite (hab gehört, Behinderte tun das ab und zu^^) und dann ist sie total irritiert worden, als ich ihr auch noch gesagt habe, dass ich einen Freund habe, der nicht mal blind ist… hahaha, das war sowas von witzig, weil sie einfach damit kaum klargekommen ist und ich glaube, das lag nicht unbedingt an ihrem Alkoholpegel. Da dachte ich dann auch, wenn das das Bild ist, das „gesunde“ oder unbedarfte Menschen von uns haben, dann müssen wir aber noch viel Aufklärungsarbeit leisten…
    Ich sehe uns alle als Botschafter dafür, dass wir Menschen über uns aufklären. Nur, wenn wir offen, freundlich, selbstbestimmt und stark sind, mit etwas Geduld und Nachsicht und viel Selbstbewusstsein, dann erreichen wir etwas – dann zeigen wir Sehenden oder besser gesagt Nichtwissenden, dass wir einfach nur Menschen sind, die Freunde haben, Hobbies nachgehen, arbeiten und dass wir genauso viel (oder manchmal auch mehr) im Kopf haben wie jeder andere auch!
    Und zu deiner Frage zum Schluss: ich gebe mir Mühe, den Blog nach und nach barrierefrei zu gestalten. Aber jeder hat so unterschiedliche Anforderungen. Ich beschreibe meine Bilder so gut es geht ordentlich, damit sie richtig vorgelesen werden. Viele sagten mir aber auch schon, dass ihnen ihr eigener Screen Reader reicht und ich gar nichts besonders zu tun brauche. In den nächsten Tagen werde ich aber mal ein Text-to-speech-Plugin testen, damit man sich die Texte vorlesen lassen kann. Je mehr Leute mir sagen, womit sie Probleme haben, umso einfacher ist es, ihnen zu helfen. Ich versuche natürlich ständig, mich in alle möglichen Situationen hineinzuversetzen, aber das gelingt ja auch nicht immer… aber die Vorlesefunktion kommt, sobald ich ein kleines bisschen Luft habe diese oder spätestens nächste Woche 
    Vielen Dank für deinen ausführlichen und wichtigen Kommentar, liebe Angela und ganz herzliche Grüße
    Lizzi

  9. Hallo Lizzi.
    Also ich finde diesenBeitrag richtig klasse.
    Wie du (vermutlich) weißt, sitze ich im Rollstuhl und hatte nie die Wahl mich als „gehandicapt“ zu kennzeichnen oder nicht. Damit bin ich sowieso auch genauso gebrandmarkt und „die im Rolli“.
    Die meisten Menschen helfen mir auf übergriffige Art. Denn für die meisten Menschen ist nicht nur „gelbe binde mit Punkten“ )= Blind sondern auch Rollstuhl = querschnittsgelähmt.
    Das bedeutet, dass ich eben auch eher angestarrt werden, wenn ich im Supermarkt kurz mal aufstehe um an etwas oben im Regal dran zu kommen oder aufstehe und in den Bus einstiege ohne darauf angewiesen zu sein, ob man mir die Rampe nun vielleicht runter holt oder vielleicht auch nicht. So viel autonomie ist mir gebleiben. Aber dann kommen Menschen angerannt, fassen mich an (was wegen Trauma ein erhebliches Problem darstellt) und versuchen mir da zu helfen, wo es ohne ihre Hilfe leichter gewesen wäre und hören aber eben auch nicht zu. Gute tat vollbracht. Die Omi über die Straße geführt, über die sie gar nicht rüber wollte. So ungefähr läuft das.
    Ja ich glaube ein Großteil der Geselllschaft ist unsicher wie man mit gehandicapten Menschen umgeht und reagieren dann über.
    Erstaunlich wird es da, wo ich zum Beispiel auf Konzerte gehe und die Menschen um mich herum so erstaunt sind, dass ich daran Spaß habe! Und eben im Rollstuhl sitzend mich zur Musik bewege und „tanze“. So manches Mal hat mich jemand angesprochen und es wäre ja soooo bewundernswert, wie ich da „abgehe“ und Spaß habe. Als wäre das….keine Ahnung…als dürfet man, könnte man als gehandycapter Mensch eben das nicht mehr haben. Ich verstehe es nicht.
    Keine Ahnung….es ist und bleibt halt schwierig auf irgendeine Art wird man immer degradiert. Ob man nun das Hilfsobjekt ist oder nicht. Man wird weniger als Mensch wahrgenommen und auch oft weniger für voll genommen als wäre man gleichzeitg geistig zurückgeblieben. Und das ist eigentlich auch genau das, was micham meisten ankotzt.
    Ich schicke dir verstehende liebe Grüße, Luna

  10. Interessanter Artikel!
    Gerade wenn man sehen kann ist es schwer sich vorzustellen welche Themen sich ergeben wenn man nicht sehen kann. Der Artikel hilft sich das besser vorstellen zu können und deine Gedanken dazu sind mehr als verständlich wenn man dann versucht sich mal in die selbe Lage zu versetzen.

    Was mir gleich als erstes dazu eingefallen ist: Würde es dir nicht vielleicht helfen wenn es Blindenbinden gäbe auf denen einfach zusätzlich noch ein 7% stehen würde? Wir sehenden sind ja nun mal einfach auch viel zu oft „Blind“ gegenüber details bzw. gehen oft wie selbstverständlich davon aus das etwas so sein „muss“ wie man es erwartet. Wenn dann da eine Hilfe wäre die darauf hinweist das etwas doch anders ist als man denkt wäre die Hürde kleiner sich darüber dann auch Gedanken zu machen oder?

    Wenn ich mich mal ein bisschen in das Thema einarbeite stoße ich auf zb. diesen Wikipedia Absatz der zeigt das auch andere dieses Thema schon Realisiert haben und sogar schon versuchen Alternative Wege zu gehen. Da wird über Österreich folgendes geschrieben:

    Zitat „Die österreichischen Blindenverbände waren schon länger bemüht, „eine Armbinde in neuem Design und modernen Stoffqualitäten zu entwickeln, die auch bei Dunkelheit besser erkennbar ist.“ Außerdem wollte man die „stigmatisierenden drei schwarzen Punkte durch ein anderes, eindeutiges und international möglichst gleichartiges Symbol“ ersetzen. Da seitens des Gesetzgebers keine Einwände bestanden, wurde mit der ÖNORM V 2106:2002-08-01 Gelbe Armbinden für blinde und sehbehinderte Menschen – Gestaltung und Abmessungen ein neues, verbindliches Logo geschaffen. Der „Mensch mit Langstock“ ist schon länger in Südwesteuropa üblich, und wurde nach ÖNORM als „schwarze geschlechtsneutrale Person mit Blinden-Langstock auf gelbem Grund“ definiert. Mit der StVO-Novelle 2005 waren auch hörbehinderte und gehörlose Menschen nicht mehr vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen, sodass das traditionelle Symbol kein eindeutiges Kennzeichen der Zielgruppe des § 3 mehr darstellte.

    Die neue Blindenarmbinde ist neben dem Logo mit rückstrahlenden Elementen und eingenähten reflektierenden Gewebestreifen versehen. Der Blindenstock muss mindestens zu zwei Dritteln weiß und sollte ebenfalls mit reflektierenden Elementen versehen sein. Die Kennzeichnung eines sehbehinderten oder blinden Straßenverkehrsteilnehmers „liegt in dessen Eigenverantwortung und Eigeninteresse.“ Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht gibt es nicht, eine verwendete Kennzeichnung ist aber für die anderen Verkehrsteilnehmer bindend.“ Zitatende

    Vielleicht wäre es mal ein Versuch wert dieses andere Zeichen mit eben genau einem anderen Ansatz zu testen? Vielleicht würde dies dir einen anderen Eindruck vermitteln? Schon mal darüber nachgedacht?

  11. Hallo Alex,
    Ich finde es richtig klasse, dass du dich auf meine Perspektive eines und dir sogar extra Gedanken machst! Super!

    Ich hatte tatsächlich schon gehört, dass man in Österreich da ein bisschen fortschrittlicher ist als bei uns… Ich bin mir aber nicht sicher, ob eine Kennzeichnung mit einem Menschen mit Langstock für mich so gut ist, weil ich ja keinen Langstock benutze (oder nur sehr selten). Meinst du nicht, das würde Passanten dann doch noch mehr verwirren? Deine Idee mit der Prozentzahl finde ich aber spannend… Da werde ich mir mal was überlegen. Vielleicht so ein angedeutetes Auge und darin steht dann 7 %?

    Liebe Grüße
    Lizzi

  12. nur noch ein kurzes feedback zum gesprochenen Text und der ist ja ziemlich lang. also so eine schöne STIMME hat NOCH kein computerprogramm, und dass du auch emotional mal atmest oder erstaunt, ironisch, incl. mal das sprechetempo „musikalisch“ dem text angleichst, wer könnte das besser als du selbst. kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass nicht du selbst so schön gesprochen hast.
    prima auf dem gewiss noch sehr langen weg zur barrierefreiheiheit.
    da ich aus ganz anderen gründen mich schon seine weile mit möglichkeiten beschäftige, kennst du vielleicht die Apps von Samsung:
    1. diktat app – wo der weg vom gesprochenen text sofort in lesbaren text umgesetzt wird, die tonqualität ist gut auch in der normalen wiedergabe an PC oder tablet, doch selbst wenn ich gut spreche, entstehen lücken und fehler im text. man kann jederzeit vom mikro zur tastatur wechseln, korrigieren und wieder zum micro wechseln. alternativ erst am ende der sprachaufnahme den gesamten text korrektur lesen, ergänzungen später hinzufügen und jeweils speichern.
    macht sinn, wenn man z.b. manuell gehandicapt ist.
    2. Samsung app: Sprachnotiz – hier kann man in vielen sprachen simultan übersetzen lassen und im audioformat speichern.
    3. app ( name? ) geschriebenen simultan in härteste abspielen – hab ich nur kurz probiert.

    die bekannte option in youtube: in video text in lauftext anzeigen, sinnvoll mehrsprachig.

    einen kleinen nachteil sehe ich in deiner sprachaufnahme. nur wenige sind so konzentriert und ausdauernd wie du bei der tonaufnahme. ich sah keine PAUSETASTE beim zuhören, wenn man stoppt, oder an einem bestimmten absatz anfangen oder weiterführen will, wie funktioniert das?

    mich interessiert in eigener sache, wie konntest du diese aufnahme/N ? gezielt in dein blog einfügen? geht das auch mit einem freeaccount?

    liebe grüsse dietmar

  13. Hallo Dietmar,
    Dankeschön, das hört sich doch sehr positiv an! Ich habe mittlerweile viele zusprechende Rückmeldungen bekommen und denke, ich werde öfter etwas aufnehmen 😄 ich bin ein Apple-Kind, darum kenne ich die Samsung-Apps nicht… ich nutze so eine simple Sprachrecorder-Aa, sie ist leicht zu bedienen und erfüllt ihren Zweck erstmal…
    also zu deiner ersten Frage: soweit ich das erkennen kann, kann man jederzeit starten und stoppen und sich das Ganze also auch in Etappen anhören. Ganz links ist zunächst die Playtaste, sobald die Aufnahme läuft erscheint das Pause-Symbol.

    Zu deiner zweiten Frage: ich habe die MP3 Datei ganz normal in die Mediathek hochgeladen (so, wie man auch ein normales Foto hochlädt) und das ist der ganze Zauber… Das müsste auch mit einem kostenlosen Account möglich sein.

    Liebe Grüße
    Lizzi

  14. Liebe Lizzy,
    ich bin nicht sehbehindert, kann aber als Gehbehinderte gut nachvollziehen, was in dir vorgeht. Ich denke, man tut sich selbst den größten Gefallen, wenn man seine Erwartungen an die Empathie und das gute Benehmen seiner Mitmenschen nicht zu hoch ansetzt. Ich kenne sogar diesen „Kennzeichnungseffekt“: Als ich noch ohne Gehhilfe, aber mit grottenschlechtem Gangbilld unterwegs war, ist mir kaum jemand, der mir entgegenkam, ausgewichen. Mit Gehstock wurde das deutlich besser. Im Moment schlägt das Pendel aber leider in dem Maße zurück, wie die Zahl der Leute, die beim Gehen auf ihre Smartphones schauen, zunimmt. Da ich dieses Verhalten grundsätzlich miserabel finde und es für Menschen mit Beeinträchtigungen zudem gefährlich ist, weil viele von ihnen gar nicht schnell genug ausweichen können, kenne ich da keine Skrupel und „begrüße“ solche Ignoranten auch schon mal mit „Vorsicht!“ oder einem lautstarken „Hey!“. Es ist dann, als würden sie aus einer anderen Welt ins Hier und Jetzt zurückkehren. Ich sehe dann verwirrte Gesichter, aber alle weichen reflexartig aus. Über einige Dinge, die du in deinem Beitrag angesprochen hast, habe ich mir auch schon Gedanken gemacht – aus Sicht einer „Dreibeinigen“. Wenn du mal gucken willst: Über Menschen, die ungefragt und unerwünscht „gute“ Ratschläge geben, habe ich mir im Text https://dastaeglichegruseln.blogspot.com/2019/02/krethi-und-plethi-wissen-mehr-als-ich.html Gedanken gemacht, über das Angestarrtwerden im Beitrag https://dastaeglichegruseln.blogspot.com/2018/08/ist-gucken-erlaubt.html .
    Liebe Grüße
    Ina

  15. Liebe Ina,

    lieben Dank für deinen Kommentar. Gerade die Problematik, die du ansprichst, dass viele nur noch auf ihr Smartphone starren, das erlebe ich nur zu oft. Erst gestern musste ich haarscharf ausweichen, sonst wäre jemand mitten in mich hinein gelaufen. Da hatten wir beide Glück, dass das Licht gut stand und ich genügend sehen konnte um zu reagieren…

    Ich finde es große Klasse, dass du dich diesen Menschen gegenüber dann bemerkbar machst! Das kann ich zwar meistens nicht, weil ich die Leute erst im letzten Moment sehe, aber das ist bestimmt eine wirksame Methode. Super!

    Auf deine Beiträge bin ich schon sehr gespannt! Die werde ich mir nachher in Ruhe durchlesen…

    Einen schönen 1. Mai und liebe Grüße
    Lizzi

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