Traum oder Realität

Hattet ihr mal Schwierigkeiten zwischen Traum und Realität zu unterscheiden? Habt ihr mal etwas geträumt und wart dann ganz überrascht, als es sich nicht als gelebte Wahrheit herausgestellt hat?

So ging es mir heute – nicht auf eine psychisch bedenkliche Art und Weise. Vielmehr kam die Wahrheit ganz unerwartet, fast schon belustigend und verwirrend zu mir. Ich schlug morgens die Augen auf, erinnerte mich an die Bilder der Nacht und stellte anhand ihrer Trübheit fest, dass sie zu meiner Traumwelt gehörten. Doch tat ich das zum ersten Mal – viele Male zuvor hatte ich sie bereits gesehen, klar und deutlich, mehr wie Erinnerungen statt Träumereien.

Darin sah und fühlte ich eine Badeanstalt, in der ich mal alleine, mal mit einer Freundin und mal mit meinem Vater war. Es handelte sich um eine Art Erlebnismineralbad. Der Zutritt war zeitlich begrenzt, der Eingang nicht ganz leicht zu finden und drinnen gab es einen Rundgang, den man schwimmend beging und der immer wieder zu neuen Becken und Attraktionen führte. Es gab Sprungtürme, Wellenbäder, Whirlpools, Aromabassins und Diverses, das ins Dunkel des Vergessens gehüllt war, so, äls läge der Fokus nicht darauf. Ich weiß, dass ich nie ganz zum Ende gekommen bin…

Ich konnte es einige Minuten lang kaum glauben, dass diese Ausflüge, die ich vor meinem inneren Auge sah und sehnsuchtsvoll nach Wiederholung im Herzen trug, ausschließlich in der Welt meines Unterbewusstseins stattgefunden haben sollten.

Traum und Realität

Was für ein seltsamer Zugang zur persönlichen Unterwelt! Richtig über diese Szenen nachgedacht habe ich nie, nicht mit vollem Bewusstsein. Doch ausschließlich in meinem Unterbewusstsein existierten sie auch nicht, diese schönen Erlebnisse, die doch nicht stattgefunden hatten. Sie befinden sich irgendwo dazwischen… und wie so oft in meinem Leben als Philosophin stellt sich mir die Frage „was ist real?“ und „was ist Wahrheit?“

Wie kann man sich an etwas erinnern, das nicht geschehen ist? Wie kann man etwas sehen, das nicht war? Wie kann man etwas fühlen, das nicht stattgefunden hat?

Aber ist es nicht doch geschehen, ist es nicht doch echt, hat es nicht doch stattgefunden? Nicht in der bewussten Welt freilich, schließlich kann ich mich in meinem physisch-psychischen Normalzustand nicht daran erinnern, es taucht nicht in meinem bewussten Erinnerungsverlauf auf, auf den ich Zugriff habe. Es liegt nicht auf meinem emotionalen und kognitiven Desktop, nicht auf meiner real gelebten Oberfläche. Es gibt keine Fotos davon, keine Facebookposts oder Standortmarkierungen, es ist nicht in der materiellen Welt wie wir sie kennen zu verorten und kann nicht zeitlich oder örtlich fixiert werden.

Trotzdem sind die Bilder auf meiner Festplatte gespeichert, ohne angeheftetes Datum, ohne Ortsangabe zwar, indes abruf- und fühlbar.

Träume als Erlebnisstätte des Ichs

Ich kenne mich nicht mit Traumdeutung aus und habe kein Fachwissen zum Unterbewusstsein. Für mich ist das die Ebene, auf der mein Ich, wie immer dieses genau aussehen mag, sich ausprobiert, verarbeitet, Szenarien durchspielt, sich loslöst, sich erfährt, kennenlernt, bildet und fantasievoll und kreativ zum Schaffen kommt.

Vielleicht sind wir in unseren Träumen alle Autoren und Erfinder neuer Realitäten. Wer weiß, womöglich basiert das Geschichtenschreiben, die Entwicklung von Rollenspielen und der Gedanke alternativer Realitäten auf unserer Traumwelt und unserer dort gegebenen Fähigkeit, sich vom Bewusstsein und den damit verbundenen Regeln zu lösen. Keine Schwerkraft, keine Barrieren, keine sozialen Ungleichheiten, keine Grenzen…

Viele Ideen zu Romanen, die ich zu schreiben begonnen habe, erreichten mich in meinen Träumen. Ich geriet dabei in diesen merkwürdigen Zustand, wo der Traum noch nicht ganz zu Ende ist und das Wachsein noch nicht ganz angefangen hat. Meine Kreativität kommt aus dieser Zwischenwelt und ich bin die Übersetzerin an der Schnittstelle vom immateriellen Gedanken und dem materiell geschriebenen Wort.

Viele Menschen konzentrieren sich ausschließlich auf die oberflächliche Welt, die man anfassen und physisch erleben kann, doch ich kann spüren, dass ich nur noch teilweise in dieser Sphäre lebe… eine Hälfte von mir ist hier im Jetzt, sie tippt Buchstaben in die Tastatur, nimmt zwischendurch ab und an einen Schluck Wasser zu sich und fragt sich, ob ihr, die ihr das gerade lest, sie für vollkommen verrückt haltet. Die andere Hälfte weiß genau, das die Wahrheit über die physisch fühl- und erlebbare Welt hinausgeht, dass es sich dabei nur um eine Ebene eines wahrnehmbaren Großen und Ganzen handelt.

Ich lebe in zwei Welten, die ein und dieselbe sind.

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