Höher, schneller, weiter und vor allem mehr, mehr, mehr – aber natürlich immer für weniger! Das ist der Grundton unserer Zeit. Die Herrschaft des Komparativs. Überall „Rabatt“-Störer und „Reduziert“-Schilder, die Werbung plärrt „billiger“, „supergünstig“ und „Tiefpreisalarm“. König Quantität regiert mit Massenspam, sendet seine Newsletterritter aus, stopft Tüten und Einkaufskörbe voll, diktiert uns, was wir zu denken haben und zieht uns das Geld aus der Tasche und wir applaudieren begeistert. Dabei geht es nicht nur um Produkte, nicht nur um rabattierte Zeitschriftenabos, Käseschnäppchen oder gönnerhafte Gutscheine beim Kauf im Wert von 100 Euro… Wir sollten im Idealfall auch alle superschlank, toporganisiert, modisch frisiert, stylisch gekleidet und auf allen Social Media Kanälen vertreten sein. A Selfie a day keeps uncoolness away oder so… Natürlich muss man Poweryoga und Jumping Fitness machen, wir wollen ja schließlich entertained werden und supertrendy ist gerade gut genug für uns *zwinker*
Nein danke, da bin ich raus
Das ist mir zu viel, zu unecht, zu falsch. Von dem ständigen Preiskarussell, dem ewigen Must-have-Geschrei wird mir ganz übel. Mein Kopf ist vollgestopft mit Schrott, das macht langsam und ganz bestimmt nicht zufrieden. Unter dieser Berieselungskaskade kann ich meine eigenen Gedanken kaum hören… Wer bin ich denn, wenn immer eine Maske drübergestülpt wird? Selbstblockade hoch zehn. Darauf kann ich gut verzichten, ich bin da doch lieber glücklich – und ich selbst!
Darum habe ich vor einigen Jahren bereits großen Gefallen am Minimalismus gefunden. Halt! Jetzt bitte nicht gleich entsetzt wegklicken! „Minimalismus“ ist so ein Trendwort geworden (*würg*), dass ich es selbst nicht gerne in den Mund nehme. Für mich ist das nicht so ein hippes Ding wie Entrümpeln nach der Kondomethode, sondern eine Lebenseinstellung, eine Art Detoxfunktion für meine Seele, die unendlich guttut. Das hat nichts mit säckeweise Ausmisten oder Wohnen in leergeräumten vier Wänden zutun. Auch nicht mit knausrigem Genuss- und Spaßverzicht. Ich halte mich dabei an keine Regeln, sondern nutze lediglich einen klärenden Filter für meine Gedanken. Einen Spamschutz sozusagen oder Mental Detox.
Tipp 1: Wenn du auf der Suche nach ein bisschen mehr Selbstakzeptanz und Zufriedenheit bist, lege dir unbedingt einen mentalen Detoxfilter zu. Das geht ganz leicht indem du immer wieder nach dem Warum fragst. Warum hast du vor etwas Angst? Warum wird das so gehandhabt? Warum solltest du etwas kaufen? Du wirst sehen, schon das Darübernachdenken hilft dir ungemein.
#awarenessfilter und die #kunstdesloslassens
Der ein oder andere Leser meines Blogs kennt meine Ansichten zur gesellschaftlichen Gehirnwäsche. Kurz gesagt denke ich, dass wir alle auf Konsum und Kapitalismus getrimmt werden, dass wir aus Angst vor dem Nichtdazugehören lieber im Mainstream surfen als im Reinen mit uns selbst zu sein. Mit ein bisschen Bewusstmachen muss man aber nicht unbedingt eine komplette Marionette sein – außer man fühlt sich damit wohl und möchte das, dann sei es herzlichst gegönnt!
Für mich ist dieser Konsumwahn eine Vergiftung, die uns irreführt. Durch all diese Botschaften und Aufrufe können wir nicht mehr klar sehen. Deswegen schaue ich regelmäßig durch meine schicke Mental-Detox-Brille und versuche mich so von Konventionen und Prägungen zu lösen, die mir bei genauerem Hinsehen schaden oder die mich belasten. Ich hinterfrage, warum etwas Konventionelles getan wird und warum es genau SO getan wird. Wenn es mir sinnvoll erscheint, das so zu übernehmen, tue ich das. Wenn ich keine Logik darin finde oder nur eine veraltete Denkweise, dann ab auf den Gedankenschrott damit. Beispiel gefällig? Du kennst doch dieses „das gehört sich so“ oder „man macht das so“. Igitt, kann ich nicht ausstehen. Ich lade nicht zu meinem Geburtstag ein, wen ich einladen sollte (Familie muss man ja einladen…), sondern nur, wen ich wirklich dabeihaben möchte. Oder wenn mich jemand fragt, wie es mir geht – sorry – antworte ich ehrlich und nicht mit dem obligatorischen „gut, dir?“. Kann dann natürlich sein, dass man etwas zu hören bekommt, was man nicht wissen wollte. Aber dann sollte man auch nicht fragen… Das sind alles Kleinigkeiten, die in der Summe einen gewaltigen Unterschied machen.
Ich hinterfrage einfach alles – warum schminken sich manche jeden Tag? Warum müssen Fingernägel krallenlang, knallhart und leuchtend lackiert sein? Warum hortet man unzählige Gegenstände, die man nicht zum Leben braucht? Warum ist so vielen ihr Äußeres wichtiger als ihr Inneres? Warum ernähren sich manche Menschen, als wollten sie den Herztod herbeifressen? Warum haben viele Angst, anders zu sein? Warum werden Behinderte anders behandelt? Warum sind Marken und Konsumgüter wichtiger als Charakter? Warum zelebriert man eine Scheinwelt lieber als die Realität? Warum ist es peinlich, Kinderspiele zu spielen, wenn sie riesige Freude bereiten? Warum ist Verkleiden albern?
Tipp 2: Meine Theorie ist, dass wir uns selbst oft im Weg stehen, weil wir Angst haben – bewusst oder unbewusst. Suche nach deiner Angst und stelle dich ihr. Gib zu, wovor du dich fürchtest zum Beispiel davor, dass andere dich auslachen oder nicht akzeptieren. Der beste Weg zur Selbstliebe ist die Selbsterkenntnis – also tritt deinen Ängsten gegenüber. Das ist wie das Rumpelstilzchenprinzip: was keinen Namen hat, macht Angst. Also gib deiner Angst ein Gesicht. Du wirst den Unterschied merken, wenn du dich von Furcht befreist, die wie ein Giftstachel in deiner Haut steckt.
Loslassen befreit
Ich hoffe, meine Aussage kommt richtig rüber. Ich sage nicht, dass all diese Dinge per se schlecht sind, dass alle Menschen Idioten sind, die sich schminken, die Fastfood essen oder sehr aktive Social Media Nutzer sind. Ganz und gar nicht. Ich sage nur, dass man diesen Dingen nachgehen sollte, weil man sie wirklich möchte, weil sie einen erfüllen, weil sie einem etwas bedeuten und nicht, weil alle anderen es machen, weil so die „normalen“ Leute zu sein haben, weil man Angst hat, seine wahre Natur zu zeigen. Ich zum Beispiel zocke gerne Pokémon Go, schaue alte Animeserien, kostümiere mich an Fasching und mache Seifenblasen. „Kindskopf“ nennt die Gesellschaft solche Menschen wie mich und man wird von den krampfhaft Erwachsenen dann gerne angeschaut, als sei man ein bisschen neben der Spur. Mir selbst macht es aber so viel Freude, ich führe trotzdem ein vernünftiges Leben, habe einen Job, komme sehr gut zurecht und bin eine vollwertige Erwachsene. Es geht doch beides – zum inneren Kind stehen und ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft sein. Warum also das ganze Tamtam? Wieso ist das peinlich? Ist Spaß etwas Falsches? Gehört sich Lebensfreude nicht?

Hmmm, ich verstehe das Problem nicht. Darum wird gefiltert, ganz viel gefiltert! Ich detoxe alles weg, was mich runterzieht. Wenn ich etwas Störendes gefunden habe, lasse ich los. Das bereichert, auch wenn es zunächst kontraintuitiv scheint, dass man etwas bekommt, wenn man etwas weggibt. Aber jedes Mal, wenn ich etwas Aufgesetztes wie einen Luftballon fliegen lasse, komme ich selbst darunter mehr und mehr zum Vorschein. Eine cleane, klare Lizzi und diese Freiheit fühlt sich wundervoll an. Ich brauche die vorgefertigten Bahnen nicht, die mich in der wohlbekannten, sicheren Spur halten. Ich habe keine Angst vor mir. Mehr noch: ich habe mich sogar richtig gerne.
Vom McLückenfüller zur vollwertigen Seelenvollkost
Ich hatte eine längere Phase über mehrere Jahre hinweg, in der es mir nicht besonders gutging. Nach einer mobbinglastigen Mittel- und Oberstufenschulzeit, nach Schwierigkeiten echte Freunde zu finden und dann noch einem Umzug in eine völlig fremde Stadt – und das alles mit einer an Blindheit grenzenden Sehbehinderung – war ich ausgelaugt, unzufrieden und immer auf der Suche. Mich selbst mochte ich nicht besonders und um mich besser zu fühlen half oftmals nur eine Shoppingtour. Lauter neue Kleider, ein paar hübsche Kerzen, Cremes und andere Alltagsverwöhner füllten die Leere in mir. Aber wie Fastfood macht solches Seelenfutter nur kurz satt und ist nicht echt. Erst, als ich meine Probleme überwunden und zu sehr viel Nachsicht mit mir und Selbstliebe gefunden habe, wurde alles anders. Ich fand mich selbst schön, so wie ich war, auch in den alten Sachen. Mir ging es gut, auch ohne die neuste Hautlotion mit Vanilleduft und die Welt war plötzlich so offen, bunt und lebendig, dass ich keinen Dekokram mehr brauchte, keine Scheinbefriedigung.
Damals beschloss ich, wie man so schön sagt, nicht mehr die Symptome zu bekämpfen, sondern Probleme an der Wurzel zu packen. Eines war ganz klar: alle Konsumgüter, die man sich so gönnen kann, waren wie dünne, kleine Pflaster auf einer klaffenden Wunde. Die würde ich nie wieder brauchen und das ist ein herrliches Gefühl.
Halt mal, das heißt jetzt nicht, dass ich auf einem autarken Biobauernhof lebe, mir aus Bananenblättern Körbe flechte, im Ententümpel hinterm Haus bade und eine seltsame, wenn auch innige Beziehung zu meiner lieben Ziege „Feta“ führe. Natürlich kaufe ich mir immer noch ab und an etwas und bin (mehr oder weniger) Teil der deutschen Gesellschaft. Aber da ist kein Zwang mehr, kein Muss!
Man muss schon gönnen können – anderen und sich selbst
Kennst du das? Dass man sich mit etwas Süßem belohnt, wenn man fleißig war? Dass man sich mal was richtig Schönes gönnt – ein neues Parfum, eine hübsche Tasche oder eine Flasche Wein?
Das brauche ich nicht mehr. Das BRAUCHEN steht hier im Zentrum. Ich kaufe mir, was ich will. Aber was ich wirklich will, ist einfach so viel weniger geworden. Ich brauche keinen Kram mehr, um mich gut zu fühlen. Ich fühle mich schon super mit mir selbst! Und außerdem sind wir da sowieso sehr eigenartig programmiert: wir halten Dinge für Belohnungen, die uns schaden. Das ist wie Rauchen. Mit vermeintlichen Belohnungen vergiften wir uns und grinsen noch zufrieden dabei. Das ist doch bescheuert! Oder verrückt? Mehr dazu in einem meiner Lieblingsbeiträge „Wir sind alle verrückt“.
Klar, ich trinke auch mal Alkohol, leiste mir eine entspannende Massage oder esse einen fettigen Burger. Aber eben nur manchmal und nicht inflationär. Und ich bin auch nicht (mehr) darauf programmiert, das zu brauchen (du weißt schon: Heimkommen und denken, dass der Tag so stressig war, dass man erstmal eine Tafel Schokolade essen muss zur Entspannung– Quatsch! Kopfsache, Baby! Yoga entspannt auch und schadet nicht… bringt den Läden aber auch kein Geld. Zusammenhang *grübel*). So behalten besondere Dinge auch ihre Bedeutung. Wenn ich jede Woche saufe wie ein Loch, wo ist dann das Highlight? Wenn man alles in Massen konsumiert, wo sind die Besonderheiten, die das Leben so wunderbar machen? Wir brauchen dann immer mehr Genuss, immer mehr Kicks, immer mehr, mehr, mehr… ich gönne mir lieber den immerwährenden, wundervollen Zauber des Alltags, den ich ganz bewusst und genüsslich erlebe. (Fast) alles hat eine Bedeutung, ist gewichtig, ist eine gezielte Entscheidung von mir und manchmal muss man auch loslassen und die Kontrolle ablegen für eine gewisse Zeit. Auch das tut gut.
Tipp 3: Lerne den Unterschied zwischen brauchen und wollen. Wenn du denkst, dass du etwas brauchst, frage „Warum?“. Was ändert es? Brauchst du es wegen einer Angst? Oder willst du es haben? Es macht einen Unterschied, glaub mir.
Darum wird stetig der Mentaldetoxfilter über das Leben gelegt, um die wirklich wichtigen Dinge hervorzuheben und hinter all dem oberflächlichen Schnickschnack zu sehen. Glaub bloß nicht, ich bin so eine Langweilerin, die bei selbstgezogenen Bienenwachskerzen vom eigenen Volk über einem Buch aus dem Take-away-Regal am Marktplatz sitzt (auch wenn das ab und zu ganz schön ist 😉 und ich damit niemanden beleidigen möchte, der genau diesen Lebensstil für sich gewählt hat). Ich will damit sagen, ich bin kein sparsamer, gebremster, knausriger Mensch, der sich so durchs Leben quält, ständig auf Verzicht und Spartanische Existenz bedacht. Ach was, ich bin ein Erlebnissuchti, Reisefreund, Actionlover, Energiebündel, Unternehmungsfreak, neugiergesteuerter Ausprobierer und vieles mehr! Vor allem bin ich ICH SELBST und das fühlt sich gut und richtig an. Wenig Schein, ganz viel Sein! Keine Gitterstäbe um mich herum, die mich bremsen, zurückhalten, fesseln. Nur sehr viel Freiheit, Ausdehnungsraum und Potential.
Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade „Detoxgeflüster“ teil.
Was ist dein bestes Detox-Rezept? Grünkohlshake? Minimalismus? Handyfasten? Erzähl‘s mir, ich bin neugierig! Einfach hier einen Kommentar hinterlassen…
Schön, dass dir mein Beitrag gut gefallen hat! Herzlichen Dank für die Verlinkung 🤗
Oh, so einen Sunshine-Blogger-Award fände ich auch toll 😄 Klasse Sache!!!
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Eine Folge der Marie Kondo Methode habe ich kürzlich auf Netflix gesehen und kurz drauf entsetzt und entnervt weggeklickt. 😂 Allein schon das schauderhafte Begrüßungsritual … bei dem Gequietsche standen mir die Haare zu Berge.
Mit Minimalismus müsste ich mich unbedingt beschäftigen. Ich bin so eine richtige Horte-Liese und halte an viel zu vielem fest. Viel unnützer Kram. Ich hamster auch ganz gerne 😂 Gut tut einem diese Fülle nicht.
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Hallo Lizzi,
Gefällt mir sehr gut, was du schreibst. Mein Detox sind definitiv Yoga, Meditation und Sport.
Gestern habe ich wohl zwei Stunden in einem Möbelhaus verbracht, um einen Geburtstagsgutschein über €10,- dieses Möbelhauses einzulösen. Ich war total genervt und hab mich dann gefragt, was mach ich da? Das ist kein Geburtstagsgeschenk. Das ist Stress pur. Ich brauchte das ganze Zeug nicht. Letztendlich hab ich mir einen Polsterüberzug genommen aus Bio Material, der mir ohne Gutschein wohl zu teuer gewesen wäre. Und freue mich auch drüber. Aber mit dem Gutschein ins Möbelhaus gehen, mit dem Gedanken: „Mal sehen, was es gibt.“ Das tue ich mir nie mehr an. Und auch solche Geburtstagsgutscheine können verschenkt werden. Hab kurz überlegt, ob ich ihn einer NGO zukommen lasse, die Menschen helfen, mit wenig Einkommen. Viel hab ich auch nicht, aber wenn ich gerade nichts brauch?
Danke für deinen feinen Blog und deine inspirierenden Gedanken. 🙂
Liebe Grüße
„Benita“
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Hi Georg,
Das muss man auch können: sich rausnehmen 😄 Beziehungsweise sich auf sich selbst zu begrenzen. Oh, Yoga ist natürlich ein wunderbares Detox… Sport allgemein.
Vielen Dank für deinen Kommentar und liebe Grüße
Lizzi
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Was mich am besten runterkommen lässt bzw. entspannt hält ist die Standardfrage „Ist das meine Angelegenheit ?“. Meistens lautet die Antwort „Nein“ und dann ist es mir sofort wurscht und ich habe eine sachliche Distanz. Außerdem noch Boxen, Yoga und Motorradfahren. 👍💪
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Mein bestes Detox-Rezept ist entspannt sein, im Job, bei Ernährungs- und Stylingsfragen, im Haushalt, im mitmenschlichen Umgang. Meine Tochter fragt mich immer: „Mama, warum bist so entspannt?“ keine Ahnung, ist mein Temperament. Wenn ich mich aufrege, dann über was, was mir wirklich wichtig ist. Diese Lässigkeit hat meinen Exmann, der megaunentsiannt ist, regelmäßig in den Wahnsinn getrieben und meine Mutter in puncto Haushalt heute noch, wenn sie mich besucht. Umgekehrt nerven die mich auch…
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