Als junge Frau mit Handicap erlebt man die Welt aus einer einzigartigen Perspektive heraus und stellt fest, dass viele Dinge – die Gesellschaft und Mitmenschen betreffend – ganz anders sind, als man es vermuten würde… man entdeckt Verhaltensmuster und Umgangsformen, die einem das Leben zusätzlich schwer machen…

Schwarz

Süß, wie manche Menschen ganz unbewusst die Kleine mit der Sehbehinderung nicht ernstnehmen und von oben herab behandeln. Einige untergraben mein Wissen – hätte ich geahnt, dass sie alles besser wissen als ich, hätte ich mir mein Studium mal sparen und fünf Jahre in Heidelberg durchfeiern können. Andere meinen, sie müssten mich bevormunden, für mich sprechen oder lauter reden, damit ich es begreife… Es ist immerhin allgemein bekannt, dass visuelle Einschränkungen sich besonders auf die Ohren und den Verstand auswirken. Ja, sie halten sich für überlegen, weil ich für scheinbar simple Dinge oft Hilfe brauche, weil für mich nichts “einfach“ ist. Versteht mich nicht falsch, ich bin DANKBAR für ehrliche, menschliche Unterstützung – wenn meine Helfer mir wohlwollend zur Seite stehen, weil ich diese bestimmte Sache nicht alleine oder nur schwer tun kann. DANKBAR bin ich sicherlich nicht, wenn man mir einen Arm reicht, weil man mich für schwach und hilflos hält… und ich spüre genau, wem mein Herz DANKE sagen möchte…

Hmmm, welche Ironie, dass sie stattdessen vollkommen blind für die Wahrheit sind, denn sie können sich nicht vorstellen, welche Kraft und Größe es erfordert, tagtäglich kämpfen zu müssen. Sie sehen nicht die pure Willensstärke, die nötig ist, den Aufprall auf Barrieren spielend leicht erscheinen zu lassen. Sie ahnen nichts von dem Feuer, das durch jede Widrigkeit angefacht wird und sind geblendet vom selbstgefälligen Schein. Vorsicht, ihr Verirrten, wenn ihr die Nase zu hoch tragt, bemerkt ihr nicht das Inferno, in das ihr stolpert…

Ich bin euch ebenbürtig, trotz und gerade wegen meiner Behinderung.

Aber vielleicht wisst ihr das ja schon? Vielleicht spürt ihr, ohne es zu begreifen dieses unsichtbare Feuer, das ihr euch bei dem bedauernswerten Wesen, das doch so wenig sehen kann, gar nicht erklären könnt? Vielleicht ist es sogar so, dass ihr euch von dem bedroht fühlt, was IHR NICHT SEHEN könnt?

Wäre es nicht beruhigend, euch aus Schutz größer zu machen und auf mich herabzublicken, damit ihr euch das nicht eingestehen müsst? Ich frage noch einmal: wer ist hier in seiner Wahrnehmung behindert?

3 Kommentare zu „SCHWARZ – unsichtbares Feuer

  1. Hübscher Beitrag. 🙂 Noch schöner wäre es, wenn auf deinem Blog auch die Farben übernommen würden, die ich als blendempfindliche Nutzerin voreingestellt habe. Bei mir wären es zum Beispiel invertierte Farben.

  2. Vielen Dank für das Kompliment und ebenso für den Hinweis mit den Farben.
    Leider kenne ich mich mit solchen Einstellungen sehr schlecht aus, werde mich aber auf jeden Fall darüber informieren, ob ich das ändern kann! Das hilft bestimmt auch anderen und ich fände es sehr schön, wenn mein Blog für so viele wie möglich angenehm zu besuchen ist.
    Liebe Grüße
    Lizzi

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