Superbillig, günstig wie nie, das Schnäppchen des Jahres – das liest man in fetten Lettern auf nahezu jeder Werbung. Prospekte sind voll von solchen Störern in bunten Farben, wir werden regelrecht geflutet mit diesen Phrasen – wenn das keine Gehirnwäsche ist!

Am besten billig

Automatisch verknüpfen wir etwas Positives mit Sonderangeboten, weil wir denken, dass wir dadurch sparen und etwas Tolles ergattern können, was sonst viel mehr Geld kostet und daher wertvoller ist. Aber meistens stimmt das ja gar nicht: Billig ist nicht besser, günstig ist nicht gut – wir werden getäuscht und lassen uns täuschen. In Wahrheit sparen wir nicht an Geld, sondern an Qualität und an unserer Gesundheit und was uns erstrebenswerter erscheint, ist auf den zweiten Blick nachrangig.

An was sparen wir eigentlich?

Wir sind besessen von dem Gedanken zu sparen wo es nur geht – dabei knausern wir oftmals genau an den falschen Stellen. Gerade beim Essen beispielsweise haben viele von uns sehr interessante, ziemlich merkwürdige Vorstellungen. Ein niedriger Preis wird höher geschätzt als hohe Qualität – was vollkommen paradox ist, wenn man berücksichtigt, dass man ist, was man isst. Über diesen Satz habe ich mir kürzlich länger Gedanken gemacht und es ist offensichtlich: Menschen sind Maschinen, komplexe und organische Maschinen, die Treibstoff benötigen – das, was wir essen und trinken, treibt uns an und bestimmt, wer wir sind. Unsere Ernährung entscheidet über unsere Gesundheit, über die Fülle und Kraft unserer Haare und die Härte unserer Fingernägel, über unser Hautbild, über unseren Gemütszustand, über die Energie, die uns zur Verfügung steht, über unsere Wachheit und noch vieles mehr! Und dennoch möchten wir möglichst viel für möglichst wenig Geld, also gehen wir zum Discounter und wundern uns, dass es uns nicht gut geht bei all den chemischen, unnatürlichen Keulen, die wir uns ständig selbst verpassen. Und biologische, ungespritzte Produkte sind teurer… weil sie naturbelassen sind? Wie bitte? Das ist doch schon irgendwie verrückt, nicht wahr! Klar, es spielen noch viele andere Faktoren hinein, gar keine Frage, aber schon der Gedanke befremdet mich – wieder so eine krasse Entfremdung von der Natur und wieder steht die Welt Kopf, die Logik ist verdreht.

Wozu sammeln wir denn dieses Geld? Damit wir uns alles leisten können, was wir brauchen? Aber brauchen wir die Dinge tatsächlich, die wir uns leisten? Eine gute, ausgewogene Ernährung wirkt sich positiv auf den Körper aus – warum nicht mehr Geld dafür ausgeben, anstelle von teuren Pflegeprodukten? Wozu einen Nagelhärter kaufen, wenn gute Nahrungsmittel denselben Effekt haben? Warum Vitamine in Tablettenform, wenn Obst und Gemüse voll davon sind? Warum Künstliches dem Körper zuführen, wenn die Natur uns bereits alles zur Verfügung stellt? Was brauchen wir wirklich?

Aber es geht hier nicht nur ums Geld, sondern um unsere verrückte Perspektive, dass billig besser ist. Wir sollten mehr Gedanken, mehr Motivation und mehr Energie in unsere Gesundheit investieren – sei es Geld oder Zeit oder einfach Überlegungen diesbezüglich. Wir sollten uns viel mehr wert sein – nicht, indem wir teure Schminke, Kleidung oder Luxusgüter konsumieren, nein! Wir tun uns etwas Gutes, wenn wir minimalistischer denken.

Mein Minimalismus

Mein Sternzeichen ist Waage und Harmonie und Ausgleich haben mich immer schon angesprochen. Ich bin kein Freund von Extremen, sondern halte ein Mittelmaß, wobei es natürlich verschwimmende Grenzen gibt, für das Beste.

Die Menschen haben damit angefangen, nichts zu haben, als das, was sie am Tag fanden oder erlegten. Mittlerweile sind sie es gewohnt, zu viel zu haben, wann immer sie möchten*. Das Angebot ist riesig – die Notwendigkeit minimal. Die Menschheit kennt beide Extreme, die Mitte ist schwer zu finden und relativ vom Standpunkt abhängig. Der Stoiker Seneca sagte einst in seinen Briefen über die Moral: „Nicht wer wenig hat, sondern wer mehr begehrt, ist arm“. Ich kann ihm nur Recht geben und für mich die folgenden Gedanken ableiten:

Ich stelle mir immer wieder die Frage, was ich wirklich brauche. Vor jedem Kauf, bei jedem Wunsch, immer, wenn ich glaube, zu wenig zu haben. Brauche ich das wirklich?

Und es funktioniert, denn sehr oft stelle ich fest, dass es nur ein Impuls war und beim genaueren Reflektieren hinfällig ist. Brauche ich das neue Paar Schuhe? Sie sind richtig schön, aber nein, ich brauche sie nicht. Mir geht es nicht schlechter ohne sie, schließlich habe ich sowie schon genügend Schuhe im Schrank. Brauche ich eine DVD-Sammlung? Es sähe im Regal echt toll aus, aber eigentlich habe ich Netflix und schaue gar nicht so oft Filme. Das lohnt sich nicht. Natürlich gönne ich mir auch einmal etwas, denn der pure Verzicht um des Verzichts Willen ist nicht das Grundprinzip meines Minimalismus. Mein persönliches Ziel ist es, der Gehirnwäsche entgegenzuwirken, die uns die Werbung und die Medien verpassen. Ich versuche, der Flut an Verallgemeinerung, vom aufgezwungenen Normal zu entkommen und mich bei einem gesunden Mittelmaß einzupendeln. Dabei hilft es mir, mich vom Materiellen weitestmöglich zu lösen und gleichzeitig vorsichtig wieder den Weg zurück zur Natur und zum Natürlichen zu finden.

Vielleicht stellst du dir jetzt vor, dass ich im selbstgerechten Kokosnussbikini im Wald herumspringe und Kräuter sammeln gehe, die ich dann zu Haartinkturen und Pesto verarbeite. Nein, ganz so extrem meine ich es nicht – wahrscheinlich würde ich in der wilden Natur keinen Monat überleben, schon alleine aufgrund meiner Sehbehinderung. Ich halte auch nicht allen Fortschritt für schlecht und alle Erfindungen der Menschen für unsinnig. Ganz im Gegenteil. Mit Rückbesinnen meine ich vorallem, sich wieder daran zu erinnern, woher wir kommen, wer wir sind und was es bedeutet, ein Mensch und damit ein Teil der Natur zu sein. Für mich heißt das unter anderem, ich kaufe mir nicht ständig Dekorationsartikel, sondern lieber ein schönes Pflänzchen, dem ich beim Wachsen und Blühen zusehen kann und kein Make-up, mit dem ich mir eine Maske verpasse, sondern lieber qualitativ hochwertige Nahrung für ein besseres Hautbild. All der Schnickschnack, der früher meine Schubladen gefüllt hat, war wie Ballast und ich vermisse ihn nicht. Ich fühle mich leichter, als hätte ich ums Herz herum abgenommen, denn Unwichtiges hält nur auf. Stattdessen habe ich viel mehr Kapazität, um mich auf Dinge zu konzentrieren, die ich wirklich brauche. Zeit für Sport, damit der Körper stark ist und ein würdiges Zuhause für den lebendigen Geist. Geld für Tapetenwechsel, wie Urlaube, die helfen, die Seele und die Welt in Kontakt zu bringen und das Mosaik des Lebens von einer höheren Warte aus zu betrachten. Muße für das Kostbarste, das ungetrübte Beisammensein mit Freunden und Familie, das mein Ich im Hier und Jetzt verwurzelt und meinen Gedanken Flügel verleiht.

Ich habe alles, was ich brauche und je bewusst weniger Materielles ich besitze, desto besser geht es mir, desto glücklicher und freier bin ich.

Findest du auch, dass wir alle verrückt sind? Meine Gedanken dazu kannst du hier mit mir teilen.


*ich spreche hier über die modernen Gesellschaften, nicht über Länder und Völker, die aufgrund des Überflusses in der sogenannten ersten Welt, Hunger leiden.

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