Ich hatte ein tolles, erholsames und positives Jahr 2020. Ja, du liest richtig. MEIN Jahr hat WIRKLICH gerockt!

Klar ging die Corona-Pandemie nicht spurlos an mir vorüber. Mein tiefstes Mitgefühl ist bei den Menschen, die so furchtbar unter COVID-19 leiden, ob gesundheitlich, emotional oder wirtschaftlich. Ganz oft denke ich an die, die ihre Arbeit verloren haben, die einsam sind oder diejenigen, die Angst um ihre Lieben oder sich selbst haben müssen. Es tut mir weh, andere so leiden zu sehen.

Gleichzeitig wäre es einfach widerlich geheuchelt, wenn ich so täte, als hätte ich auf persönlicher Ebene kein fantastisches Jahr verlebt mit unschätzbar wertvollen Erfahrungen, sehr viel Positivität, Erkenntnissen und großen Erfolgen.

Darf ich glücklich sein?

Oft ging mir durch den Kopf: Darf man überhaupt offen glücklich sein, wenn dermaßen viele andere es gerade nicht sind? Nach näherer Betrachtung: Klares JA, denn mein persönliches Glück oder Unglück ändert nichts an der Gesamtsituation. Bevor Corona sich wie ein düsterer Vorhang über Welt, Gesellschaft und Gemüter legte, fragte keiner, ob er guten Gewissens feiern, reisen, lachen dürfe, obwohl in vielen Regionen Terror, Krieg und Korruption regieren. Da verbarg keiner seine gute Laune, obwohl Obdachlose auf Parkbänken schlafen, Behinderte unter unangemessenen Bedingungen in Werkstätten arbeiten oder ich in den Mühlen der Bürokratie zerrieben werde. Das heißt nicht, dass man die Augen vor allen Dingen verschließen soll, doch es wird auf unserer Erde immer Leid geben – ob vor der eigenen Haustür oder in anderen Ländern, ob im großen oder kleinen Stil. Wenn ich also nur dann glücklich sein darf, wenn es alle anderen sind, wäre ich es nie.

Es ist okay, glücklich zu sein. Ich brauche es weder zu leugnen noch zu verstecken. Ganz im Gegenteil: schöne Geschichten, gute Gedanken und Optimismus können anderen helfen! Wenn es mir gutgeht, habe ich Kraft und Energie, andere zu unterstützen – durchs Zuhören, als Gute-Laune-Vermittler, als Angstlöser, als Realitätsanker, als (unnerviger) Optimist und Mutmacher. In Zeiten, in denen Angst und Dunkelheit herrschen, ist geteiltes Glück und ansteckende Freude besonders kostbar. Also darf man nicht nur glücklich sein, man sollte es geradezu!

Darum teile ich meine großen und kleinen Highlights aus 2020 mit euch, um ein bisschen Licht und Hoffnunbg zu spenden!

Meine Highlights 2020

Umzug in die alte Heimat

Im Dezember 2019 beschossen mein Partner und ich, nach Stuttgart zu ziehen. In der Schwabenhauptstadt bin ich aufgewachsen, kenne mich blendend aus und habe meine ganze Familie und viele Freunde um die Ecke. Blitzerfolg: Schon im Januar 2020 fanden wir eine wunderschöne, passende Wohnung – zentral gelegen mit Rewe, Drogerie, Post, Bank, Park, Fitnessstudio und mehreren Haltestellen praktisch vor der Haustüre – und pünktlich vor dem ersten Lockdown bezogen wir das neue Heim, in dem wir uns so unsagbar wohl fühlen.

Während des ersten Lockdowns

Social Distancing wurde Trend, mein Gym, der Friseur und viele Geschäfte schlossen, der Verkehr verebbte und bei wochenlang unwirklich strahlendem Sonnenschein arbeitete ich von zu Hause aus, machte ausgedehnte Frischluftspaziergänge in menschenleeren Straßen und fühlte, wie sich in mir ein tiefer, innerer Frieden ausbreitete. Wie bitteschön war das möglich, wo doch alles Bekannte in Ungewissheit versank, die Realität sich verklärte und hohes Angstpotential meine Mitmenschen dominierte? Stimmt etwas nicht mit mir? Es war faszinierend: ich spürte, wie Stress und Anspannung von mir abfielen, wie mich das Müssen und Sollen verließ, Stresskopfschmerzen sich in Nichts auflösten, wie der sich leerende Kalender unerwartet Raum für mich schuf. Alles, was wegfiel – Ausflüge, Unternehmungen, Kino, Clubs, vhs-Kurse und vieles mehr – hätten ein Verlust sein können, doch in Wahrheit füllten sich all diese Lücken mit anderen Schätzen: ich arbeitete intensiv wie nie an meiner Romanreihe weiter, baute lächelnd Lego während Sherlock Holmes im Hintergrund knifflige Fälle löste oder zeichnete, bastelte, dachte nach. Alles tat ich in so engem Kontakt mit mir selbst, dass mir war, als würde ich mich unter all dem früher Alltäglichen, den Terminen, Reisen, selbstauferlegten Verpflichtungen wieder selbst ausgraben. Ich begegnete mir auf einer so reinen, natürlichen und freien Ebene, dass ich oft ganz gerührt im Hängesessel saß, mit heißen Tränen auf den Wangen, weil mein Innerstes so harmonisch, so friedlich, so ausgeglichen war – weil ich einfach SEIN durfte.

Keine Kämpfe wegen der Sehbehinderung, kein Hetzen von A nach B, kein Druck. Das war natürlich nur möglich, weil ich es zuließ, es mir erlaubte, es mir gönnte. Und sicherlich, weil ich sehr gut mit mir auskomme. Dafür bin ich mir so unendlich dankbar. Hoffentlich werde ich diese alles ausfüllende Wärme noch lange im Herzen und die umfassende Balance im Geist bewahren können.

Ein Zauberstab für Lizzi – leider nicht von Olivander

Nach über zwanzig Jahren habe ich den Langstock in mein Leben integriert. Er ist nun kein Störenfried, kein Stigma, kein unliebsamer Begleiter mehr. Vielmehr ein Zauberstab, der viele Mitmenschen hilfsbereiter und Hindernisse aus dem Weg zaubert.

Wie sich das Blatt gewendet hat, erzähle ich dir in diesem Blogbeitrag.

Lizzi als Touri-Guide in Heidelberg

Durch Natur und Kultur vor romantischer Kulisse durfte ich im Sommer für das bewegungszentrum pfulb eine Gruppe Wanderfreudiger mit und ohne Sehbehinderung führen. In der traumhaften Stadt Heidelberg, wo ich studiert und so viel über das Leben und mich selbst gelernt habe. Ich freue mich schon, im kommenden Jahr eine weitere Tour geben zu dürfen…

Der Sehbehindertentag 2020

Zusammen mit anders und doch gleich durfte ich alle Interessierten für einen Tag in meine Welt entführen und ein bisschen was aus dem Leben einer fast blinden Frau erzählen. Falls es dich interessiert, schau doch mal bei den Highlights meiner Instagram-Storys.

Renaissance der Kreativität

Ich bin ein verdammt kreativer Mensch voller unerschöpflicher Fantasie. Das mag jene, die mich gut kennen, jetzt nicht sonderlich überraschen. Für mich dagegen war diese wiedergefundene Wahrheit doch etwas ganz Besonderes. Wenn man tagtäglich mit Worten jongliert, kleine Bildchen auf Notizzettel kritzelt, tagträumt und fantasiert, kann es schon passieren, dass man den Märchenwald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Es ist für mich so selbstverständlich, dass sich neben dem Alltagsgeschehen Geschichten in meinem Kopf weiterspinnen, so normal, dass visuelle Impulse über den Stift aus meinen Fingern purzeln und ich mich voller Begeisterung zeitvergessen im Webdesign auslebe, dass ich schlichtweg vergessen und unterschätzt habe, wie sehr mich das ausmacht, wie tief es in mir verwurzelt ist. Jetzt ist mir, als hätte ich einen alten Freund wiedergetroffen, den ich nie mehr aus den Augen verlieren möchte.

Bewilligung meines Blindenführhundes

Drei Jahre lang habe ich gegen (eigene und fremde) Unwissenheit, bürokratische Hürden und Ungerechtigkeit gekämpft, um endlich das Rezept für einen Blindenführhund zu bekommen, das mir immer schon zugestanden hätte. Ein krasser Weg mit tonnenweise Herausforderungen, Unverschämtheiten, Erkenntnissen und schließlich einem überwältigenden Triumpf: kaum war der Antrag gestellt, lag eine Bewilligung in meinem Briefkasten. Ich war geschockt, hatte ich mich doch für weitere Scharmützel mit Widerspruch und Gerichtsverfahren gewappnet. Als wolle man einen Sack Mehl anheben, der dann doch federleicht ist. Das war ein ganz besonderer Moment für mich: Es ging gar nicht so sehr um den Hund und alle Freiheiten, die er mir zukünftig verschaffen konnte, sondern vielmehr um die Bestätigung, die Belohnung, die Quittung fürs Dranbleiben, Durchhalten, Weiterkämpfen.

Hier beschreibe ich dir meinen Weg zum Blindenführhund ausführlich.

Reibungslose Bewilligung meiner Arbeitsplatzausstattung

Beinahe beiläufig war mein Antrag bei der Agentur für Arbeit für Unterstützung am Arbeitsplatz wie ZoomText, einem Lesegerät, neuem Bildschirm und Handlupe. Ohne jegliche Komplikationen wurde alles bewilligt, geliefert und installiert. Wenn man sonst um alles kämpfen muss, ist man ganz baff, wenn es so einfach geht. Zwei Daumen hoch!

Wanderurlaub

Seit vielen Jahren gehört das Wandern zu meinen Hobbies und besonders mehrtägige Wandertouren wie der Schwabenweg haben es mir angetan. Diesen Herbst machte mir mein Freund die unsagbare Freude eines gemeinsamen Wanderabenteuers. Wir beschritten zusammen den Linzgauer Jakobsweg – der erste von hoffentlich vielen schönen Aktivurlauben!

Harry Christmas

Im November hatte ich eine Woche Urlaub, die ich nutzte, um mein Harry Potter-Leseprojekt zu beenden, das ich über die vergangenen Monate hinweg verfolgt habe. Mal wieder Band eins bis sieben – ab und zu muss ich einfach in eine meiner Lieblingswelten zwischen Hogwarts und Winkelgasse abtauchen. Ein herrliches Abenteuer in den Tiefen der Zauberei. Was dann folgte, war auch magisch: Die letzten Zeilen waren kaum gelesen, als ich einen Anruf erhielt. „Lizzi, du bekommst Blindenführhund Harry (kreisch!) in zwei Wochen (KREISCH!).“

Schock, Schreck, Partytime – von Monaten, ja JAHREN war die Rede gewesen. Jetzt hatte ich nur zwei Wochen zur Vorbereitung. In heller Aufregung informierte ich meine Familie, meinen Arbeitgeber, holte mir die entsprechende Krankmeldung zur Anpassung von Hilfsmitteln, buchte einen Zug und kaufte Hundebett, Napf und Futter. Das war in zwei Tagen erledigt. Und mit einem Mal wurde aus „nur noch zwei Wochen Vorbereitungszeit“ ein „ooooh man, noch ganze zwei Wochen warten“.

Zum Nikolaus durfte ich den flauschigen, liebenswerten Goldendoodle dann kennenlernen, zwei Wochen später bestanden wir unsere Gespannprüfung und heute feiern wir unser erstes – zum Glück etwas ruhigeres – Silvester zusammen.

Mehr von unseren ersten gemeinsamen vier Wochen berichte ich in Kürze.

Fazit: Mein 2020 hat gerockt!

Du siehst, ich habe allen Grund, 2020 zu feiern! Es hat für mich so viel Freude, Überraschungen und Triumpfe bereitgehalten, dass ich es immer in guter Erinnerung behalten werden.

Ich wünsche mir dennoch, dass 2021 für alle, die unter den aktuellen Umständen leiden, Linderung und neuen Mut bringt.

In diesem Sinne: bleib gesund, hab gute Gedanken, schätze das Positive in deinem Leben und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Wie war denn dein 2020? Was wünschst du dir für 2021= Ich freue mich auf deinen Kommentar!

5 Kommentare zu „2020 – unerwartet großartig!

  1. HERZLICHEN Glückwunsch!!
    Das freut mich sehr.
    Beschreibst Alles besonders schön!

    Super Dein Blindenhund!!!
    …hast wahrscheinlich auch Dein BL durch, oder?
    Ich bekomme auch kein BL auf Ausweis oder gar Blindengeld, denn die glauben mir auch nicht! Habe bereits Marathon hinter mir und viele Gemeinheiten erlebt!

    Alles Gute weiterhin!

    Katharina

  2. Liebe Lisa, jetzt hast du zu deinem „Zauberstab“ auch noch einen Harry bekommen. Das passt doch super! 🙂 Euch beiden alles Gute für 2021, ihr werdet bestimmt ein klasse Team! Liebe Grüße, Carina und Pitou

  3. Hallo Lisa, dein Jahresrückblick ist sehr schön.

    Mit großer Interesse habe ich deinen Blog gelesen. Er gefällt mir wirklich gut.

    Als ehemaliger wohnungsloser Mensch, der unter einer Brücke lebte, kann ich dir sagen, sei glücklich.

    Es ändert nämlich nichts an der Situation von dem Menschen, wenn du unglücklich dein Leben verpasst.
    Ich bin heute auch glücklich, froh, positiv. Mein Jahresrückblick ist auch von Fröhlichkeit und positiven Ereignissen geprägt.
    Trotz das ich jeden Tag Menschen auf der Straße sehe, mit denen ich zusammen jahrelang verbracht habe.

    Und, was du schreibst, stimmt. Du kannst durch dein positives Leben andere Leben, andere Menschen in kleinen aber manchmal auch im Großen positiv beeinflussen. Dann kannst du es in die Welt tragen. Deine Kraft & Energie bringt auch anderen etwas.
    Viel mehr, als wenn du traurig Zuhause sitzt und sagst, es gibt aber Menschen, denen es gerade schlecht geht.

    Die wird es leider immer geben. Man kann oft nur versuchen ihnen ein Licht in der Dunkelheit zu sein.

    Was ich noch sagen wollte, Wandern ist so toll, besonders Mehrtagestouren. Ich bin den Hermannsweg gelaufen, einfach toll.

    Ich wünsche dir alles Gute, auch deinem kleinen Begleiter Harry.

    Ganz liebe Grüße Janita-Marja

  4. Liebe Janita-Marja,

    ganz GANZ herzlichen Dank für deinen schönen, offenen und positiven Kommentar. Ich bin mir sicher, du hast auch eine spannende Geschichte zu erzählen. Es berührt mich sehr, wie viel Weisheit in deinen Worten liegt.

    Ein wundervolles, besonderes Jahr 2021 wünsche ich dir!

  5. Liebe Katharina,

    vielen lieben Dank für deine Worte! Ich bin mit meiner Fellnase echt total glücklich!

    Nein, das BL habe ich noch nicht, der Antrag bzw. der Widerspruch läuft gerade. Ich habe das Ganze direkt in rechtskundige Hände gelegt und möchte mich damit selbst gar nicht belasten. Wenn alles gutgeht, bekomme ich mein BL und Blindengeld (das mir gesetzlich zusteht). Wenn es schlecht läuft – bekomme ich es auch, nur später 🙂

    Hast du auch rechtliche Schritte unternommen?

    Liebe Grüße
    Lisa

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