Kürzlich ging es in einer Serie darum, dass eine Frau bei einem Hausbrand alles verloren hat, was sie besaß und darum totunglücklich war. Im Zuge dessen ging mir durch den Kopf, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde und wisst ihr was, ich war so erstaunt über meine Gedanken!

Früher bin ich leidenschaftlich gerne shoppen gegangen, habe das ein oder andere gesammelt, habe Deko geliebt und hing so ziemlich an jedem Erinnerungsstück. Das hat sich mittlerweile komplett geändert. Es gibt fast nichts mehr, an dem mein Herz hängt, jedenfalls was das Materielle angeht. Versteht mich nicht falsch, ich wäre natürlich auch von dem Verlust meiner Habseligkeiten betroffen, aber nur insofern, als dass es lästig wäre, das meiste zu ersetzen… und das ist der Punkt: so gut wie alles ist für mich ersetzbar. Davon sind vielleicht einige wenige Dinge ausgenommen, wie schöne Fotos, mein tröstender Stoffhund, liebe Post- und Geburtstagskarten und meine Pflänzchen. Aber alles andere ist austauschbar geworden und irgendwie erleichtert mich das ungemein.

Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass es eine Leichtigkeit ist, mit einem solchen Schlag umzugehen. Ganz sicher nicht. Ich habe aber dadurch festgestellt, dass der Minimalismus, der mich vor einiger Zeit „infiziert“ hat, langsam fester Bestandteil meines Lebens und meiner Denkweise geworden ist. Das geht schon so weit, dass ich Beklemmungen bekomme, wenn man mir etwas mitbringen will, weil Fakt ist, dass es mir besser geht, je weniger ich besitze. Kein Witz, je leerer mein Kleiderschrank wird, umso schöner finde ich die Sachen, die ich noch übrig habe. Umso leichter fällt mir die Auswahl, umso entspannter bin ich, wenn ich seine Türen öffne. Da hängen nur noch Lieblingsstücke, keine „Vielleicht-zieh-ich-das-mal-an“-Klamotten mehr. Es ist übersichtlich und schön so! Von den 33 Teilen – wie es ein bekanntes Minimalismus-Konzept vorlebt – bin ich noch ein gutes Stück entfernt, aber ganz sicher habe ich alles um locker 80 % reduziert – und mir fehlt GAR NICHTS! Also bin ich mit minus vier Fünfteln glücklicher als wenn ich sie noch hätte. Paradox, oder? Aber wie sagt man so schön: „Weniger ist oft mehr“ und das ist die Wahrheit!

Wir leben in einer konsumgeprägten Welt, wo es Socken mit Kultfiguren gibt, wo Werbespots Notwendigkeit vorgaukeln, wo man nie genug haben kann…  wo man denkt, je mehr man besitzt, desto besser. Aber alles, was man hat, kann man verlieren und je weniger man hat, umso leichter ist auch das emotionale Gepäck. Ich sammle keine Schlüsselanhänger, Bücher, Souvenirs, Briefmarken oder sonstige Dinge – ich ersetze nur jenes, das ich zum unmittelbaren Leben brauche. Dafür sammle ich Erinnerungen und Erfahrungen, ich bin geradezu süchtig nach Lebendigkeit. Sie sind für mich das Kostbarste überhaupt! Ein wunderschöner Tag draußen in der Natur, vielleicht ein leichter Regen mit seinem unverkennbaren Duft, ein ausgelassener Abend mit Freunden, an dem man alle Sorgen vergisst und so oft und herzhaft lacht, dass man am nächsten Tag Muskelkater davon hat… schöne Stunden mit der Familie oder diese Momente, wenn man durch seine Worte andere glücklich machen kann…

nichts als der Himmel über mir

Echte Geschenke

Darum hoffe ich immer, dass man mir zu Geburtstagen und Weihnachten nicht „Irgendwas“ schenkt, was dann auf einer Kommode steht oder im Regal verstaubt. Keine gekaufte Deko, die mir nichts bedeutet… zur Wohnungsaufhübschung habe ich tolle Pflanzen, die ich teilweise vom Samenkorn und der ersten Wurzel an begleitet habe. Keine Blumensträuße, die ich nach einigen Tagen wegwerfe – Schönheit sehe ich in der Landschaft zu genüge. Oft schenkt man auch Dinge, von denen man denkt, der andere könne sie irgendwann gebrauchen… stellt euch vor, auch diesen Reservegedanken mag ich nicht so. Klar, ich kaufe auch gleich zwei oder drei Tuben Zahnpasta, damit ich nicht dauernd neue holen muss, aber das wars dann auch schon. Ich will mein Leben nicht mit Vorräten und Eventualitätsvorsorgen zupflastern – wozu? Lieber spare ich mir das Geld und den Stauraum dafür, denn dadurch verliere ich nichts – im Gegenteil! – dadurch gewinne ich! Zum Beispiel die finanziellen Mittel, um zu verreisen, um spannende Ausflüge zu machen, um mir das Leben zu erleichtern und meine Gedanken sind nicht von zahllosen Vielleichts gefesselt.

Womit man mir wirklich eine Freude machen kann, ist wenn man sich Gedanken über mich macht, mit mir die Welt erkundet, Zeit mit mir verbringt und mir zeigt, dass einem etwas an mir liegt. Was bringen Geschenke, die mir nichts bedeuten? Was aber bedeutet es mir, wenn jemand weiß, welche Künstler ich mag und mich auf ein Konzert einlädt? Oder bedenkt, dass ich ein Handicap habe und einen dementsprechend angemessenen Ausflug mit mir plant? Wenn man auf das eingeht, was für mich wichtig ist? Es bedeutet mir ALLES, einfach ALLES! Damit kann man mich glücklich machen und ist nicht genau das die Intension von Geschenken? Ansonsten gibt man sie nur aus der Konvention heraus und um sein eigenes Gewissen, die gesellschaftlich auferlegte Verpflichtung, zu bedienen. Das ist aber kein Geben von Herzen und somit völlig sinnlos.

Die Schönheit der Natur

Was gehört mir?

Alles, was ich im Leben brauche und besitzen kann, trage ich in mir – das sind Gefühle anderen und mir selbst gegenüber, das sind meine Gedanken und mein Verständnis für die Welt, meine Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, zu staunen, zu bewundern, zu lernen, zuzuhören, zu schreiben, mich auszudrücken… Was ich überdies brauche, sind Menschen, die diese Gefühle in mir auslösen und mit denen ich sie teilen kann – doch besitzen kann man sie nicht. Wenn sie aber das Beste sind, was man haben kann im Leben und man sie nicht besitzen kann, was ist dann jeglicher anderer Besitz wert?

Die besten Dinge im Leben gibt es ganz umsonst.

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