Du hörst lieber? 


In „Die Schattenseite des Bloggens – Gänsehaut im Internet“ habe ich dir im Zuge meiner Blogparade: „Licht- und Schattenspiele aus dem Bloggerleben“ von den negativen Begleiterscheinungen meines Bloggerdaseins berichtet. Cyber Stalker, aufdringliche Anmachen, Beleidigungen, Zeitfresser und so weiter. Doch sie alle würden mich niemals dazu bringen, meinen heißgeliebten Blog an den Nagel zu hängen – weil ich das Bloggerleben viel zu sehr liebe! Warum? Es gibt x Gründe dafür – hier sind meine top drei!

1. Bloggen ist Therapie

Als ich auf dem Gymnasium war, wurde ich wegen meiner hochgradigen Sehbehinderung gemobbt. Die anderen hätten es nie so genannt, würden es vielleicht sogar leugnen, aber es war so. Ausgeschlossen hier, beleidigt da, gemieden und verspottet. Was tat ich? Ich schrieb. Ich schrieb und schrieb. Gedichte, Geschichten, Romane… flüchtete mich in mein Innerstes, wo ich eine eigene Welt habe, eine, in der mir niemand etwas tun kann. Von Fantasy über Sci-Fi bis hin zur puren Romantik, ich schrieb mir Kummer und Schmerz von der Seele. Wenn das Leben um mich düster war, leuchteten meine Worte voller Licht und Zuversicht.

Fast fünfzehn Jahre ist es her. Das meiste hat sich seither geändert. Ich. Mein Umgang mit meiner Behinderung. Meine Lebenseinstellung. Meine Lebensphilosophie. Aber das Schreiben ist geblieben.

Egal was ich erlebe, was ich fühle, was mir widerfährt, ich verarbeite, schärfe und sortiere es, indem ich darüber blogge. Eine nervtötende Bürokratieschlacht um ein Hilfsmittel? Ich blogge! Eine herzerwärmende Erfolgsgeschichte? Ich blogge! Ein pulsbeschleunigendes Ärgernis? Ich blogge. Ein lebensveränderndes Erlebnis? Ich blogge! Und über so vieles mehr.

Das Bloggen reinigt mich, gleicht mich aus, bringt mich in Balance und klärt meinen Fokus. Es ist der Balsam für meine Seele.

Lizzi liegt auf ergonomischer Bank.

Bloggen ist gesund

Schreiben ist für mich das beste Gesundheitsrezept überhaupt. Macht doch auch Sinn. Was für die Psyche gut ist, kann für das Leben insgesamt nicht verkehrt sein. Es ist wichtig, dass man sich die Dinge von der Seele redet.

2. Bloggen ist Wechselwirkung!

Das Allerbeste an meinem Bloggen ist die Gegenseitigkeit. Ich formuliere einen Gedanken, teile Gefühle und Geschichten, schicke sie energiegeladen und wortgewaltig in die Welt – und bekomme Antworten. Jedes „Gefällt mir“ verrät, dass meine Botschaft ankam, dass mein Geschriebenes gelesen wurde, dass meine Story Gehör fand. Jeder Kommentar bereichert mich, belohnt mich für den Mut zur Offenheit, zum Unbequemen, zur Authentizität. Jedes positive Feedback und jede Kritik lässt mich wachsen. Das eine ölt geschmeidig mein Ego, bestärkt mich in meinem Umgang mit meiner Behinderung, in meiner Einstellung zur Welt und maximiert meine Lebenslust. Das andere düngt meine Fähigkeiten, sensibilisiert mich für Schwierigkeiten und beleuchtet lichtlose Stellen, die meinem selbstreflektierenden Blick und meiner Aufmerksamkeit entgangen sind. Für beides bin ich unendlich dankbar, beides bringt mich weiter, tut mir gut, beflügelt mich!

Über alle Maßen dankbar bin ich jedoch vor allem anderen für die dynamisch entstehenden genialen Geschichten, die meine Aktivität als Bloggerin selbst schreibt. Die Wellen, die sie schlägt. Den Reichtum, den sie mir beschert…

Bloggen ist Geben und Nehmen: Indem ich gebe, bekomme ich zurück.

Für einen positiven, lebensbejahenden Beitrag bekomme ich Dankbarkeit und verbale Schulterklopfer. Mir schreiben regelmäßig Leser, sie hätten dieselben Gefühle wie ich, hätten es aber selbst nie so formulieren, auf den Punkt bringen und aussprechen können. Ich finde Worte, wo sie anderen fehlen und teile sie gerne!

Für einen mutigen Schritt bekomme ich benötigte Hilfe. Anfang des Jahres stand ich ziemlich verloren in der Weltgeschichte herum, wusste nicht so recht wohin und was ich will. Mir waren meine Ziele einfach abhandengekommen. Früher war der Weg vorgezeichnet: Abi machen, FSJ durchziehen, Studium abschließen, Praktika rocken, Job finden. Done. Und dann? Ich erwog die Klassiker: Haus kaufen? Wer putzt das? Brauch ich nicht. Heiraten? Ähm, das ist kein Lebensziel für mich. Kinder? Oh Gott, keine Ahnung, ob ich das will. Jetzt jedenfalls noch nicht. Karriere? Naja, solange ich einen Job habe, der mir Spaß macht und mich erfüllt und am Ende des Monats das Geld einigermaßen stimmt. Okay, was dann? Zumindest wusste ich, was ich nicht wollte, welche Richtungen wegfielen. Aber wohin dann gehen? Was will ich in meinem Leben machen, erreichen, erleben?

Ich schrieb alles auf meine persönliche bucket list und postete diese auf meinem Blog. Das tat so unsagbar gut. Plötzlich waren da wieder Perspektiven, Dinge auf die es sich zu sparen und zu warten lohnt und in mir entflammten Kraft, Motivation und Antrieb aufs Neue. Mit den unfassbaren Reaktionen meiner Mitmenschen hatte ich allerdings nicht gerechnet: Fremde wie Freunde boten mir plötzlich Unterstützung bei der Umsetzung meiner Träume an. Helfende Hände, inspirierende Ideen, fantastische Vorschläge! Mich erreichte so viel positive Energie, so viel Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, dass ich sprachlos war und bin… denn die Resonanz hält an!

Bloggen ist inklusiv

Durch meine Blogartikel, meine Webpräsenz und Social Media-Aktivitäten gehöre ich dazu. Wozu? Zu vielem! Über meine Posts habe ich tolle neue Möglichkeiten bekommen – zum Beispiel wurde ich in eine ganz wundervolle, hilfreiche und durchdachte Schreibgruppe eingeladen, die mir effektiv hilft, mich zu verbessern. Die Tipps sind toll und geben immer wieder Anstoß, nachzudenken und zu verändern. Außerdem arbeite ich zusätzlich an einem zweiten Blog „Anders und doch gleich“ mit. Das ist ein tolles Projekt, bei dem vorwiegend jüngere Menschen mit Handicap zeigen, wie besonders und vielfältig ihr Leben ist. Und ich habe so unglaublich tolle Menschen kennengelernt, die ich ganz stolz Teil meiner Community nennen darf. Manches sind andere Blogger, mit denen man wunderbar fachsimpeln, philosophieren und brainstormen kann. Andere sind Gleichgesinnte, mit denen ich mich zu gemeinsamen Interessen und Gedankengängen austausche. Ob Sport, Reisen, Handicap oder etwas ganz anders… Einige sind sogar echte Unterstützer geworden! Hier ein spendierter symbolischer Kaffee, da ein Teilen meiner Artikel, dort eine Empfehlung…

3. Bloggen ist Wirken

Ja, diese wundervolle kreative Form tut nicht nur meinem Inneren gut und verbindet mich mit tollen Leuten, sondern trägt auch Früchte. Als Bloggerin bin ich nicht nur fester Bestandteil eines Netzwerkes und habe eine kleine treue Community, darüber hinaus bin ich mittlerweile sogar zum Ansprechpartner und Inkluencer geworden. Ich bekomme Einladungen zu Interviews, darf Gastartikel schreiben, schaffe es gelegentlich in namhafte Newsletter und hin und wieder werden mir Partnerschaften und Kooperationen angeboten…

Bloggen ist mein Leben

Du siehst, Bloggen hat mein Leben nachhaltig verändert, besser gemacht, bereichert.

  • Bloggen ist Therapie: Es hält mein Innenleben in Schuss, hat eine nachgewiesene Mental Detox-Wirkung auf mich und sorgt für Gesundheit.
  • Bloggen ist Wechselwirkung: Es ist eine Brücke zur Außenwelt, ein roter Faden in meinem Leben und ein Knotenpunkt in einem wertvollen Netzwerk.
  • Bloggen ist Wirken: Es ist eine Chance, persönliche Botschaften zu verschicken, Lebensfreude und Optimismus zu verbreiten und mit meinen Worten Vorurteile aufzulösen, Gemüter zu bewegen und Herzen zu berühren.

Lizzi sitzt auf einem moosbewachsenen Stein am Bach.

Das Blogging ist eine mächtige Verbindung, es verknüpft mein Innenleben, mein geistiges Universum mit der Welt draußen, mit anderen Menschen, anderen Ideen, anderen Gedanken. Es ist eine wundervolle Brücke, die Abgründe überspannt und Welten verbindet.

Bist du auch Blogger? Oder liest du gerne Blogs? Was bedeutet es für dich? Ich freue mich auf deinen Kommentar!


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