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Ich laufe morgen am 20. Juli 2019 beim „schauinsland Muddy Angel Run“ in Stuttgart mit. Du weißt schon, dieser unglaublich coole Schlammlauf für Frauen jeden Fitnesslevels. Fünf Kilometer geht’s richtig dreckig zu – durch herrlichen Matsch und über spaßige Hindernisse! Es geht nicht um Schnelligkeit, Ehrgeiz oder Konkurrenz, sondern darum, einen hammermäßigen, lustigen, unvergesslichen Tag mit tollen Leuten und ganz viel Schlamm zu haben! Und noch wichtiger: Damit etwas Gutes zu tun! Denn so wird auf das Thema Brustkrebs aufmerksam gemacht und ein Euro pro Ticket geht als Spende an gemeinnützige Organisationen. Also durch und durch eine super Sache! 

Klar, dass ich bei sowas dabei sein möchte! Einfach Kind sein, sich im Schlamm austoben, schmutzig machen und Teamgeist spüren! Aber ähm… 

Wie bitte schön geht das mit hochgradiger Sehbehinderung und ohne Begleitung? 

Alles begann mit dem alten Lied. Du weißt ja, ich bin ein Feuerwerk an Motivation. „Bei einem Schlammlauf mitmachen“ steht natürlich dick und fett auf meiner bucket list! Doof nur, dass in meinem Bekanntenkreis niemand mit mir laufen wollte oder konnte und alleine geht das mit hochgradiger Sehbehinderung einfach nicht. Also warten bis nächstes Jahr, falls da jemand Zeit und Lust hat, mich zu begleiten? Wiedermal Träume auf Eis legen, weil es ohne Hilfe nicht geht? Andere über mich bestimmen lassen? Nö!

Schluss mit Abhängigkeit, Kompromissen und Warten – selbst ist die Frau! Und ich sowieso! Ich wollte da unbedingt mitmachen, also habe ich direkt an den Veranstalter geschrieben, meine Situation geschildert und gefragt, ob sie mir irgendwie helfen können, dass ich mit von der schlammigen Partie sein kann. Die Antwort kam schnell: Ich solle meine Geschichte in der Facebook-Gruppe erzählen und dort fragen, ob mich jemand begleiten würde.

Sowas muss man mir nicht zweimal sagen – gesagt, getan!

Hallo, ihr wunderbaren Schlammfrauen,

mein Name ist Lisa, ich bin 30 Jahre alt und von Geburt an hochgradig sehbehindert. Das heißt, ich bin nicht ganz blind, sehe aber auch nicht mehr viel je nach Licht.

Ich wünsche mir von Herzen, sonntags beim Muddy Angel Run in Stuttgart mitzumachen. Alleine kann ich das leider nicht und ich habe in meinem Freundes- und Verwandtenkreis niemanden finden können, der das mit mir macht.

Darum jetzt meine Frage an euch: wäre jemand bereit, mir dabei zu helfen? Ich würde mich so unglaublich darüber freuen. Weil viele sich nicht im Bereich Sehbehinderung und Blindheit auskennen, sage ich mal, welche Art von Hilfe ich bräuchte: Eine zuverlässige, vertrauenswürdige Person, die sich mit mir an einem Ort trifft, den ich gut finden kann (z.B. eine Bus-/Bahnhaltestelle). Ich müsste mich am Arm meiner Begleitperson einhaken und sozusagen mitführen lassen. Wichtig ist, dass man mir sagt, wenn Stufen oder Hindernisse kommen. Diese müssten für mich mit Worten beschrieben werden, sodass ich mir zumindest im Kopf ein Bild davon machen kann, um es zu überwinden. Und zum Schluss müsste ich wieder an einen Punkt gebracht werden, wo ich mich auskenne (z.B. den Treffpunkt).

Abgesehen von meiner Augenerkrankung bin ich fit und sportlich, also absolut bereit für die Schlammschlacht.

Ich würde mich riesig über eine positive Rückmeldung freuen und wünsche schon mal allen ganz viel Spaß bei dieser einfach tollen Sache!

Eure Lisa

Scrrenshot meines Facebookposts

Ich verrate dir ein kleines Geheimnis: Menschen helfen gerne!

Das habe ich in die Gruppe gepostet, kurz darauf hagelte es Likes und die ersten wundervollen Hilfsbereiten kontaktierten mich. Wahnsinn! Die Resonanz machte mich sprachlos! So viel Offenheit und Herzlichkeit!

Im Handumdrehen fanden sich drei Engel für Lizzi – allerdings für den Samstag, wo die Karten eigentlich schon ausverkauft waren. Ich schrieb wieder ans Muddy Angels Team – damals wusste ich noch gar nicht, dass später am Tag noch weitere bereitwillige Helferinnen für Sonntag in den Startlöchern standen – und bat darum, mir doch noch eine Karte für Samstag zu verkaufen. Meine engelsgleichen Begleitmädels schrieben ihrerseits, dass sie mich so gerne mitnehmen möchten und man mir doch ein Samstagsticket geben solle… 

Engel – es gibt sie eben doch!

An dieser Stelle möchte ich dir bewusst machen, wie ergriffen, wie überwältigt ich von den Hilfsangeboten war. So viele schrieben mir, wie toll sie es finden, dass ich mich von meiner Behinderung nicht in die Schranken weisen lasse, dass ich trotzdem mitmachen möchte und sie feierten meine Offenheit.

Ich bekam herzerwärmende Nachrichten von Teams, die mich in ihre Mitte nehmen wollten oder die sich wünschten, ich würde in ihrer Stadt laufen, damit sie mich begleiten können. Ich gebe zu, so viel Großherzigkeit, so viel Menschlichkeit hat mich zu Tränen gerührt.

Es tat mir regelrecht weh, dass ich nicht mit allen zusammen los schlammwaten konnte und manche wirkten nach meiner Absage tatsächlich halb freudig, dass ich jemanden gefunden habe und halb traurig, dass ich nicht mit ihnen lief. Ich glaube fast, ich hätte ihnen eine Freude gemacht, wenn ich mit ihnen gestartet wäre. Jetzt mal ernsthaft! Ist das zu fassen? Als ich meine Anfrage schrieb, hoffte ich auf EINE helfende Hand und ich bekam DUTZENDE! Ich musste sogar WÄHLEN! Natürlich entschied ich mich für das Team, das zuerst geschrieben hatte.

Es ist eben wahr – Menschen helfen gerne!

Findet nicht fast jeder das Gefühl schön, gebraucht zu werden? Gutes zu tun? Ein Lächeln oder ein Danke zu ernten? Anderen eine Freude zu machen? Ein klares Ja, das bekam ich mit Gänstehautfeeling zu spüren!

Mir war es ganz wichtig, jeder einzelnen wunderbaren Frau, die mir helfen wollte, zu sagen, dass sie mir alleine durch das Erwägen, das Angebot mich zu begleiten, eine unsagbare Freude gemacht hat! Und falls das eine meiner unsichtbaren Engel liest – noch einmal DANKE aus tiefstem Herzen!

Und dann kam das Samstagsticket

Du musst dir jetzt unbedingt Folgendes vorstellen: Ich – headbangend – mit einem Sportness-Proteinriegel als Mikrophon durch die Wohnung hüpftanzend, begleitet von Queens ‚Don’t Stop Me Now“ als Hymne, Sekunden nachdem ich die positive Antwort vom Muddy Angel Team mit einem Link zum Samstagsticket bekommen hatte! Pure Happiness, wahnsinnige Freude – zu viel für einen Körper, das musste erstmal rausgeshaket werden. Dann durchzuckte mich die Realität wie ein Blitz „ICH BIN BEIM MUDDY ANGEL RUN DABEI!“ *KREEEEEEEEEIIIIIIIIIIISCCCCCCCCCCCCCHHHH*

Ich sage es immer wieder: wenn man bereit ist, sich zu öffnen, wenn man ein bisschen Mut aufbringt und genug will, dann findet man Wege, auch wenn man sie nicht sehen kann. Sie sind da! Keine Ausreden vorschützen, keine Frustration gewinnen lassen, keine Sackgassen akzeptieren. Herz auf, Geist weit und Action!

Ab jetzt bitte nur noch Hindernisse beim Muddy Angel Run!

Oder nennen wir es doch lieber Herausforderungen! Ich habe mein Team, mein Ticket und ein pink markiertes Datum im Kalender. Und morgen ist er auch schon, der 20. Juli 2019 – der Tag des Schlamms! Ich freue mich schon wie verrückt und kann es kaum erwarten, dir im Anschluss davon zu berichten. Jetzt mache ich mich aber erstmal schmutzig!

Und du so? Auch schon mal bei einem Schlammlauf dabei gewesen? Erzähl mir davon in den Kommentaren!


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Ein Kommentar zu „Drei Engel für Lizzi – mein Muddy Angel Run 2019 #1

  1. Ich bin wirklich tief beeindruckt! Über Deinen Mut, alles zu tun, Dein Ziel zu erreichen. Und über die Hilfsbereitschaft der vielen Menschen, Dich dabei unterstützen zu wollen! Einfach grandios. 🙂

    Liebe Grüße,
    Werner

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